2. Auf welcher (pflege-)wissenschaftlichen Basis hat sich die Bundesregierung für eine generalistische Ausbildung entschieden?

Der Gesetzentwurf verweist im Begründungstext i.W. auf 2 Arbeiten zum Thema: 

  • Klaes, Weidner u.a.: Pflegeausbildung in Bewegung – ein Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Pflegeberufe – Schlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung (2010)
  • Görres u.a., Qualitätskriterien für Best Practice in der Pflegeausbildung – Synopse evaluierter Modellprojekte – abschließender Projektbericht (2008-2009) 

Viele Aussagen, sogar ganze Textpassagen aus der Begründung zum Gesetzestext stammen aus dem o.g. Schlussbericht von Klaes und Weidner über 8 Modellvorhaben. 

An lediglich 3 von diesen 8 Modellvorhaben war die Kinderkrankenpflege beteiligt mit 18 Auszubildenden. Es handelt sich um die 

  • Kinderkrankenpflegeschule an der Charité
  • Kinderkrankenpflegeschule am St. Vincenz-Krankenhaus, Paderborn
  • Kinderkrankenpflegeschule am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus, Speyer.

An allen anderen Projekten waren Kinderkrankenpflegeschulen nicht beteiligt. Insofern erscheint es sehr gewagt, wegen der geringen Repräsentativität aus dieser geringen Beteiligung wissenschaftlich fundierte Aussagen zur Rolle der Kinderkrankenpflege in allen Modellen zu treffen. 

Wenn man dann noch berücksichtigt, dass insgesamt nur 18 (!) Auszubildende der Kinderkrankenpflege zu Beginn an diesen drei Projekten teilgenommen haben, muss man zwangsläufig die Repräsentativität der Aussagen bezogen auf die Kinderkrankenpflegeausbildung in Frage stellen. 

Nach intensiver Suche finden sich im Bericht aber auch einige kritische Äußerungen. Zitat:  

„Einschränkungen, was den Erfolg angeht, müssen gemacht werden bezüglich der Integration der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. In drei Modellprojekten (Berlin, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz) wurde eine integrierte Ausbildung aller drei Pflegeberufe durchgeführt, wobei sich die Integration der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege teilweise als problematisch erwies.“ 

Im Weiteren werden dann im Text Spekulationen angestellt zu den Ursachen, statt diese wissenschaftlich zu belegen. 

Insgesamt erweckt dieser Bericht nicht den Eindruck, ergebnisoffene wissenschaftliche Arbeit zu dokumentieren. Es handelt sich hierbei allenfalls um den wissenschaftlichen Evidenzlevel der Expertenmeinung. Es gibt allerdings andere pflegewissenschaftliche Veröffentlichungen, die zu anderen Ergebnissen kommen, wie z.B. Sahmel, Karl-Heinz in PADUA, 9 (1), 19 – 26, 2014 Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern.

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