8. Warum soll die Pflege an Kindern und Jugendlichen nur durch spezialisierte Pflegekräfte durchgeführt werden?

Die Kinder- und Jugendmedizin deckt ein Alters- und damit auch ein Entwicklungsspektrum vom extrem Frühgeborenen bis zum 18jährigen Jugendlichen ab. Gleichzeitig schreitet die Spezialisierung voran. Schon jetzt ist es eine nicht leicht zu lösende Aufgabe, die Auszubildenden auf diese komplexen Aufgaben vorzubereiten. Mit einer Ausbildung zum/zur Generalisten/in wird dies nicht mehr gelingen. Die Kliniken für Kinder- und Jugendmedizin benötigen, genauso wie im ärztlichen Dienst und anderen Berufsgruppen, in der Pflege Spezialisten und keine Generalisten! 

Zu den besonderen Anforderungen an die Kinderkrankenpflege und aufgrund des Pflegebedürftigkeitsbegriffs bei Kindern und Jugendlichen gibt es aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen. Diesen Veröffentlichungen ist u.a. auch zu entnehmen, welche besonderen Kompetenzen für die Kinderkrankenpflege zu vermitteln sind.

Auch das Grundlagenpapier des Berufsverbandes Kinderkrankenpflege (BeKD) zum Schwerpunkt Gesundheits- und Kinderkrankenpflege in der pflegeberuflichen Erstausbildung macht dazu detaillierte Angaben: Link 

Hier ein Zitat aus einer Arbeit von Cramer und Wingenfeld: 

„Bei der pflegerischen Versorgung von Kindern müssen insbesondere drei Aspekte berücksichtigt werden. Vor allem junge Kinder sind sowohl physisch als auch emotional in besonderer Weise verletzlich. Ihr Leben und Erleben ist entscheidend vom Stand ihrer körperlichen und psychischen Entwicklung geprägt. Außerdem sind sie alters- bzw. entwicklungsbedingt in allen Lebensbereichen von ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen abhängig (Holoch 2009). 

Die professionelle Kinderkrankenpflege ist also durch einige Besonderheiten geprägt, die in der Pflege Erwachsener nicht in dieser Form existieren. Dazu gehört, dass je nach Alter des Kindes pflegerische Unterstützung auch dort erforderlich ist, wo Beeinträchtigungen nicht als Krankheitsfolge auftreten, sondern im Verlauf der kindlichen Entwicklung sich noch keine Selbständigkeit entfalten konnte. Der Bedarf an Zuwendung und emotionaler Unterstützung ist in der Regel ebenfalls stark ausgeprägt. Und nicht zuletzt muss Kinderkrankenpflege in besonderer Weise die Situation der Eltern und deren Unterstützungsbedarf beachten. Durch die große Abhängigkeit der Kinder hängt die Bewältigung von Krankheit und Pflegebedürftigkeit bei Kindern in hohem Maße von der Kompetenz ihrer Eltern ab.“ 

(Aus Cramer, H., Wingenfeld, K. (2014), Die Einschätzung des pflegerischen Unterstützungsbedarfs kranker Kinder und ihrer Eltern, Bielefeld: IPW/P14-151, ISSN 1435-408X) 

Für die personalintensiven Neo-Intensivstationen (hier arbeiten fast 50% unserer Pflegenden), aber auch für andere Fachgebiete, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine 100%-Quote Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-innen sowie eine Quote von 40% zusätzlich in der pädiatrischen Intensivpflege fachweitergebildeter Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-innen festgelegt (s. dazu z.B. Qualitätssicherungs-Richtlinie Früh- und Reifgeborene, QFR-RL). 

Damit soll eine Mindestqualität bei der Pflege von Kindern und Jugendlichen gesichert werden. 

Ähnliche Vorgaben finden sich i.Ü. auch in sog. Komplexziffern des amtlichen OPS-Katalogs. 

Diese Fachkraftquoten (= Spezialisierung) muss ein Pflegeberufsgesetz berücksichtigen.

Weiter zur 9. Frage.

Zurück zur FAQ Übersicht.