Anregungen für ein Präventionsgesetz (1)

Anregungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) für ein Präventionsgesetz

 

Inhalt:

Vorbemerkung

Warum äußern wir uns zur gesundheitlichen Prävention?

Bedeutung der Kindheit für die Gesundheit im späteren Lebensalter 

Früherkennungsuntersuchungen – Optimierungsbedarf/Strukturvorschläge 

DGKJ-Vorschlag für eine Änderung des bestehenden § 26 SGB V 

Präventionsansätze in lebensbezogenen Settings

Forschung für die gesundheitliche Prävention 

Fazit  

 

Vorbemerkung

Als wissenschaftliche Fachgesellschaft der Kinder- und Jugendmedizin  geben wir Anregungen für eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Diesen primär- und sekundärpräventiven Ansatz verstehen wir als eine notwendige Reaktion auf die gesundheitliche Situation der Gesamtbevölkerung.

Auch wenn die gesundheitliche Entwicklung der Kinder in Deutschland insgesamt als gut eingestuft wird, ist es alarmierend, dass die Chancen für ein gesundes Aufwachsen unterschiedlich verteilt sind und von sozioökonomischen Rahmenbedingungen abhängen. Die gesundheitliche Entwicklung der Bevölkerung insgesamt weist auffällige Tendenzen auf.

Ein Präventionsgesetz sollte nicht erst bei den Erkrankungen der Erwachsenen ansetzen, sondern bei den Risikofaktoren im Kindes- und Jugendalter, die zu diesen Erkrankungen im Erwachsenenalter führen. Hier ist zunächst an das Krankheitsbild der Industriestaaten, das metabolische Syndrom zu denken. Damit einhergehen Bewegungsmangel, Übergewicht und im späteren Stadium Bluthochdruck, Diabetes mellitus Typ II oder koronare Herzerkrankungen. Der Kinder- und Jugendsurvey des Robert Koch-Instituts (KiGGS) hat festgestellt, dass rund 15 % der Kinder und Jugendlichen von 3 bis 17 Jahren in Deutschland bereits übergewichtig sind, davon rund ein Drittel adipös.

Den Anteil der Kinder- und Jugendlichen mit psychischen Auffälligkeiten beziffert die KiGGS-Studie mit knapp 22 %. Höchst besorgniserregend ist die ungleiche Verteilung der Chancen für ein gesundes Aufwachsen von Kindern. Bei psychischen Auffälligkeiten liegt der Anteil der Kinder und Jugendlichen bei einem niedrigen sozioökonomischen Status der Eltern bei 31,2 %, bei denen aus einem Elternhaus mit einem hohen sozioökonomischen Status bei 16,6 % (U Ravens-Sieberer / N Wille / S Bettge / M Erhart 2007). Auch der letztgenannte Anteil von 17 % psychischer Auffälligkeiten ist zu hoch, um tatenlos zu bleiben. Die Kompetenz der Eltern der betroffenen Kinder und Jugendlichen muss dringend gestärkt werden.

In den letzten Jahren wurden im Rahmen der Frühen Hilfen und als Folge des Bundeskinderschutzgesetzes sowie der dafür den Ländern/Kommunen von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Mittel die Hilfeangebote insbesondere für junge Eltern stark ausgebaut. Diese Maßnahmen begrüßen wir prinzipiell sehr. Allerdings hängt die Einbindung der vor Ort tätigen Kinder- und Jugendärzte, die wir als wichtige Akteure in diesen Netzwerken betrachten, häufig vom Engagement einzelner ab. Dabei sind  Unterstützungsmaßnahmen der Frühen Hilfen meist der Kinder- und Jugendhilfe zugeordnet. Notwendig aus unserer Sicht ist eine institutionalisierte Verknüpfung zwischen Gesundheitswesen und Kinder- und Jugendhilfe.

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