Anregungen für ein Präventionsgesetz (2)

Warum äußern wir uns zur gesundheitlichen Prävention?

Eine wesentliche Aufgabe heutiger Kinder- und Jugendärzte ist die Prävention von Entwicklungsstörungen von der Geburt bis ins Erwachsenenalter hinein. Die Kinder- und Jugendmedizin hat seit vielen Jahren Erfahrung mit einer Reihe von Präventionsprogrammen wie dem Neugeborenenscreening, Hörscreening, Kariesprophylaxe oder den Früherkennungsuntersuchungen. Den größten Nutzen für die Vermeidung von Krankheiten nehmen aber zweifellos die Impfungen ein.

Die Früherkennungsuntersuchungen nach § 26 SGB V sind eine hervorragende Basis, um sie zu Präventionsinstrumenten auszubauen, und bieten damit ein niedrigschwelliges Angebot mit Vermittlung von Informationen zu Ernährung, Entwicklung, Verhalten und sozialer Problematik.

Bedeutung der Kindheit für die Gesundheit im späteren Lebensalter

Die Lebensführung und Ernährung in den ersten Lebensphasen, besonders bei Kindern bis drei Jahre, haben maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung von Krankheitsrisiken im späteren Lebensalter. Schon die Bedingungen in der Schwangerschaft haben einen Einfluss auf einzelne Gesundheitsparameter im Kindes- und später im Erwachsenenalter, so dass wir hier von einer ‚fetalen Programmierung‘ von Krankheiten sprechen. Ein relativ bekanntes Beispiel ist, dass gestillte Säuglinge ein geringeres Risiko aufweisen, später übergewichtig zu werden.

Die weitere Entwicklung vom Säugling zum Kind, Jugendlichen und später Erwachsenen wird aber nicht nur durch Ernährung und ausreichend Bewegung positiv beeinflusst, sondern auch durch soziale Rahmenbedingungen, die vor allem Eltern, Erzieher und ein sozial ausgeglichenes und förderliches Umfeld anbieten. Da aber Verhaltensauffälligkeiten und psychische Auffälligkeiten so verbreitet sind und zu den sog. „neuen Morbiditäten“ zählen, muss die Kompetenz heutiger und zukünftiger Mütter und Väter dringend gestärkt werden. Dies gilt für alle Eltern, aber besonders für diejenigen in schwierigen sozialen Verhältnissen. Es ist mittlerweile unumstritten, dass bestimmte Risikofaktoren für eine gesunde Entwicklung der Kinder bereits während der Schwangerschaft identifiziert werden können.

Allerdings sehen wir die gesundheitliche Prävention als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe an. Zudem müssen elterliche Verantwortung und Fürsorge auch bei beruflicher Erwerbstätigkeit der Väter und Mütter von Arbeitgeberseite ermöglicht werden – und dies nicht nur im Erkrankungsfall der Kinder.

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