Anregungen für ein Präventionsgesetz (3)

Früherkennungsuntersuchungen – Optimierungsbedarf Strukturvorschläge

Die GKV finanziert die Früherkennungsuntersuchungen U1 bis U9 sowie J1 nach § 26 SGB V. Die Früherkennungsuntersuchungen sind seitens des Gesetzgebers bisher nicht als Vorsorge- bzw. Präventionsinstrumente angelegt, sondern lediglich zur frühen Erkennung von Krankheiten. Der Gesetzgeber ist aus unserer Sicht aufgerufen, dies zu ändern.

Doch auch schon jetzt übernehmen viele Kinder- und Jugendärzte im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen wichtige Beratungsaufgaben beispielsweise im Hinblick auf die Ernährung.

Die meisten Bundesländer haben in den letzten Jahren ein formalisiertes Einladungs-verfahren für die Früherkennungsuntersuchungen etabliert. Dies hat zu einer Steigerung der Teilnahmerate an den „U“s geführt, so dass auch diejenigen Familien, die früher den Frühuntersuchungen fernblieben, zum Kinder- und Jugendarzt kommen. Dabei handelt es sich häufig um sozial prekäre Familien, deren Kinder erwiesenermaßen größere Gesundheitsrisiken haben.

Die Früherkennungsuntersuchungen könnten daher zu einem optimalen Instrument der primären Prävention ausgebaut werden. Diese würden nicht nur die Früherkennung von Krankheiten umfassen, sondern den Fokus auf weitere für die gesundheitliche Entwicklung wichtige Risikofaktoren lenken wie Umwelteinflüsse, Ernährung, Bewegung, Suchtverhalten, Medienkonsum, psychische Belastungen, Misshandlung/Vernachlässigung, Bindungs-verhalten und damit Früherkennung von Verhaltens- und Teilleistungsstörungen. Dem Arzt müssten hierfür aber ausreichende Zeittableaus für die Beratung der Eltern zur Verfügung gestellt werden.

Die Kinder- und Jugendarztpraxis ist häufig die erste Anlaufstelle von Eltern, auch derer in schwierigen Lebenssituationen – sei es, weil die Familie einen „U“-Termin wahrnimmt oder ein Kind akut erkrankt ist. Häufig hat der Kinder- und Jugendarzt aber keine Möglichkeit, um Eltern in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen, die zu gesundheitlichen Störungen in der Entwicklung der Kinder führen werden, auch wenn diese noch nicht manifest sind. In Zukunft sollte der Arzt eine solche Familie auf die Beratungsangebote und Hilfemaßnahmen der Frühen Hilfen/Kinder- und Jugendhilfe hinweisen können und sollen. Dieses Informations-/Beratungsgespräch des Arztes mit Hinweis auf die Leistungen der Frühen Hilfe wäre eine Maßnahme im SGB V, die auf die Leistungen des SGB XIII rekurriert.

Die DGKJ hat ein Konzept „Soziale Prävention“ entwickelt, das nicht nur die gesundheitliche Prävention, sondern auch die psychosoziale Prävention des Kindes und seiner Familie im Blick hat, damit eine Verknüpfung zwischen Gesundheitswesen und Kinder- und Jugendhilfe herstellt und eine Zusammenarbeit zwischen beiden Systemen ermöglicht. Wesentlicher Bestandteil des Konzeptes „Soziale Prävention“ ist die fachübergreifende Betreuung von Kindern durch Kinder- und Jugendärzte gemeinsam mit Mitarbeitern der Kinder- und Jugendhilfe im Rahmen der Regelversorgung in ambulanten interdisziplinären Kindergesundheitszentren. Die Erprobung des Konzepts in der Praxis steht kurz bevor.

Der von der letzten Bundesregierung 2013 vorgelegte Entwurf für Gesetz zur Förderung der Prävention ging aus unserer Sicht, was die Änderung des § 26 SGB V betrifft, in die richtige Richtung, hatte er doch schon eine qualitative Verbesserung der Früherkennungsuntersuchungen zum Ziel (Bundestagsdrucksache 17/13080). In der Zwischenzeit ist aber die Lücke und fehlende Zusammenarbeit der unterschiedlichen Hilfesysteme (SGB V und SGB VIII bzw. BKschG) zunehmend deutlich geworden. Wir plädieren deshalb dafür, im Präventionsgesetz diese Lücke zu schließen. 

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