Jahresbericht 2016 der Arzneimittelkommission

Im Mittelpunkt der Arbeit der Kommission für Arzneimittelsicherheit im Kindesalter (KASK) stand die Koordination und Vorbereitung der Beteiligung an der Ausschreibung im Themenschwerpunkt Neue Versorgungformen des Innovationsfonds.

Unter der Federführung von Prof. Dr. Wolfgang Rascher und PD Dr. Antje Neubert wurde mit Unterstützung der DGKJ und weiteren Partnern ein Antrag zur Arzneimitteltherapiesicherheit bei Kindern im Rahmen der Ausschreibung im Innovationsfonds zu neuen Versorgungsformen eingereicht. Der Antrag basiert auf der unverändert unbefriedigenden aktuellen Situation in der Arzneimitteltherapie von Kindern und Jugendlichen.

Die führenden Probleme sind:

  • Fehlende Informationen zur Anwendung von off -label Medikamenten, nicht nur bezüglich des Arzneimittels und der Dosis, sondern auch hinsichtlich der Darreichungsform;
  • Im Vergleich zur Erwachsenenmedizin erhöhte Rate an vermeidbaren UAW und MF;
  • Fehlende systematische und kontinuierliche Überwachung der für Kinder/Jugendliche verschriebenen Medikamente.

Vor diesem Hintergrund wurde ein Projekt mit dem Ziel der Reduktion unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW) und Medikationsfehlern (MF) bei Kindern durch optimierte gesteuerte Arzneimitteltherapie entwickelt. Dabei sollen den behandelnden Kinder-/ Jugendärzten und -ärztinnen die mittels systematischer Recherche und Analyse des aktuellen Stand des Wissens erhobenen Kenntnisse zur Dosierung und Anwendung von Arzneimitteln zugänglich gemacht werden und v. a. Informationen zu Arzneimitteln im off -label Gebrauch berücksichtigt werden. In gleicher Weise sollen klinisch relevante Aspekte der pädiatrischen Pharmakologie sowie Pharmazie vermittelt werden. Konkret sollen die Risiken der off -label Anwendung bei Kindern – insbesondere bei chronisch kranken Patienten – minimiert werden und über eine rationale Arzneimittelverordnung die Sicherheit der Pharmakotherapie verbessert werden. Sektorübergreifend werden Ärzte und Apotheker einbezogen. Ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement bei der Antragstellung. Besonders erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang den DGKJ-Generalsekretär, Herrn Dr. Karl-Josef Eßer. Seine Initiative und Impulse waren wegbereitend für diese Aktivität, seinem hohen Engagement ist es zu verdanken, dass die gemeinsame Antragstellung im Sinne der Pädiatrie letztendlich erfolgreich realisiert werden konnte.

Weiterhin bearbeitete die Kommission im Berichtszeitraum die folgenden Themen:

Ausgehend von der Tatsache, dass in der Pädiatrie die Möglichkeiten zur Forschung auf dem Gebiet der Arzneimitteltherapie und -sicherheit unverändert unzureichend sind, sowohl im Hinblick auf die Nachwuchsrekrutierung als auch bezüglich der dafür vorhandenen Infrastruktur, wurden Überlegungen zur Einrichtung einer Stiftungsprofessur speziell in dieser thematischen Ausrichtung diskutiert und ein Konzeptentwurf zur Ausgestaltung erarbeitet.

Aspekte der Medikamentensicherheit in der Kindernotfallmedizin wurden mit Unterstützung der Kommissionsmitglieder ausführlich beraten.

Die vom BMG angefragte Liste unverzichtbarer Arzneimittel für die Kinder- und Jugendmedizin wurde weiterentwickelt und überarbeitet.

Sehr erfreulich für unsere Kommissionsarbeit ist die Tatsache, dass Herr Dr. Dirk Mentzer, Mitglied der KASK und Leiter des Referats Arzneimittelsicherheit des Paul-Ehrlich-Instituts, im September 2016 nach drei Jahren erfolgreicher Arbeit als Vorsitzender des Pädiatrieausschusses PDCO (Paediatric Committee) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA erneut zum Vorsitzenden gewählt wurde. Ich möchte an dieser Stelle Herrn Mentzer ganz herzlich zu seiner Wahl gratulieren!  

Prof. Dr. Fred Zepp, Mainz
Vorsitzender