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Jahresbericht 2009 der Ernährungskommission
Der Ernährungskommission gehören nach der Beratung durch den Vorstand für die nächsten 3 Jahre an:
Prof. Dr. Berthold Koletzko (Vorsitz), Prof. Dr. Hansjosef Böhles, Prof. Dr. Christoph Fusch, Prof. Dr. Orsolya Genzel-Boroviczény, PD Dr. Frank Jochum, Dr. Thomas Kauth, Prof. Dr. Michael J. Lentze, PD Dr. Walter Mihatsch, Prof. Dr. Martin Wabitsch; als Sachverständige: PD Dr. Mathilde Kersting, Prof. Dr. Hildegard Przyrembel.
Folgende Arbeitsschwerpunkte setzte die Kommission im vergangenen Jahr:
Erarbeitung von Positionspapieren: Die von der EK verabschiedete Stellungnahme zur Vermarktung von Beikostprodukten zur Flaschenfütterung wurde mit einem Kommentar der Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie (SGP) veröffentlicht in Paediatrica 2008;19:22-23. Gemeinsam mit den Ernährungskommissionen der SGP und der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) wurden „Empfehlungen zu Prä- und Probiotika in Säuglingsanfangsnahrungen“ veröffentlicht (Monatsschr Kinderheilkd 2009;157:267-70.). Nach einer Pressemitteilung durch die Geschäftsstelle hat dieser Kommentar sehr große öffentliche Resonanz gefunden und wurde in vielen Medien zitiert, auch Hersteller diätetischer Produkte haben sich intensiv mit diesem Kommentar auseinandergesetzt. Gemeinsam mit der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) und der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA) wurde eine aktualisierte Stellungnahme zum Vorgehen bei Säuglingen mit Verdacht auf Kuhmilchproteinallergie veröffentlicht (Monatsschr Kinderheilkd 2009;157:687–91).
Zu einer Stellungnahme der Ernährungskommission der ÖGKJ „Prävention von CMV-Infektionen bei Frühgeborenen durch Muttermilch“ haben zwei Kommissionsmitglieder einen kritischen Kommentar verfasst (Monatsschr Kinderheilkunde 2009, in press).
Ausrichtung des Kurses Pädiatrische Ernährungsmedizin 2009:In zwei Blöcken jeweils von Mittwoch bis Sonntag fand im Februar und März 2009 im Haunerschen Kinderspital der Univ. München der zweite Kurs Pädiatrische
Ernährungsmedizin statt, an dem etwa 90 Kollegen teilnahmen. Die durchgeführte Teilnehmerevaluation zeigte eine außerordentlich positive Bewertung des gesamten Kurses als auch der weit überwiegenden Zahl der Vorträge und Seminare. Mit der Kursgebühr, die von 83% der Teilnehmer als angemessen beurteilt wurde, wurden die Kosten gedeckt. Die Anerkennung einer curricularen Weiterbildung „Ernährungsmedizin“ oder „Pädiatrische Ernährungsmedizin“ wurde bisher nur von einzelnen Landesärztekammern durchgeführt. Angesichts des Erfolges und des weiterhin großen Interesses an diesem Kurs sollen weitere Kurse angeboten werden. Der DGKJ-Vorstand hat vorgeschlagen, den Kurs in zweijährigen Rhythmus in München und in Berlin anzubieten, der nächste Kurs soll vom 16.02.-20.02. und 16.03.-20.03.2011 in München stattfinden.
Auch im Laufe des vergangenen Jahres hat die Ernährungskommission wieder eine große Zahl von Anfragen bearbeitet und Stellungnahmen für öffentliche Einrichtungen und Medien abgegeben. Die Kommission hat zu einer Anfrage des DGKJ-Vorstandes zur Auszeichnung von Lebensmitteln („Ampelkennzeichnung“) Stellung genommen.
Auf Vorschlag des Vorstandes vertritt der Vorsitzende der Ernährungskommission die DGKJ seit April 2009 in der Plattform Ernährung und Bewegung (PEB). Hier ist eine intensive Diskussion zur zukünftigen Strategie in Gang gekommen. Die DGKJ befürwortet gemeinsam mit der Bundesregierung, anderen Mitgliedern aus der Lebensmittelwirtschaft und der Wissenschaft sowie dem Bundesverband der Verbraucherzentralen eine Neuorientierung der PEB mit Stärkung des Netzwerkgedankens sowie einer engeren Verzahnung mit den Aktivitäten des Nationalen Aktionsplanes Übergewicht „INFORM“ im Bereich Kinder und Jugendliche und junge Familien. Diese Strategiediskussion soll zu einer Entscheidung über die zukünftige Arbeitsweise der PEB geführt werden, so dass eine Umsetzung mit der nach der Bundestagswahl neuformierten Bundesregierung möglich wird.
Die bisher unterschiedlichen Empfehlungen zur Fluoridprophylaxe der Kinder- und Jugendärzte und der Zahnärzte werden erneut im Rahmen einer Aktualisierungder Leitlinie „Fluoridierungsmaßnahmen“ diskutiert. Wir haben gegen den von der Zahnärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung im Institut der Deutschen Zahnärzte vorgelegten Leitlinienentwurf Widerspruch eingelegt und erreicht, dass die kontroversen Fragen Ende September in einer Arbeitsgruppe von Zahnärzten, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sowie der Kinder- und Jugendärzte diskutiert wurden. Dabei wurde sich mündlich darauf verständigt, dass lokale und systemische Prophylaxe wirksam ist und Fluoridtabletten weiter empfohlen werden.
Der Vorsitzende der Ernährungskommission wurde in die Sachverständigenkommission „Forum Frühkindliche Bildung“ des Bundesfamilienministeriums berufen mit der Bitte, hier insbesondere Fragen zur Gesundheitsförderung einschließlich der Ernährung in Kinderkrippen für unter dreijährige Kinder zu prüfen. Hier wird eine enge Zusammenarbeit mit der KiTa-Kommission der DAKJ angestrebt.
Die jahrelangen Bemühungen der Kommission zur Verbesserung der Folatversorgung durch Anreicherung von Grundnahrungsmitteln mit dem Ziel der Vorbeugung angeborener Fehlbildungen, u.a. mit Teilnahme an einer Expertenanhörung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Januar 2009, haben im Herbst 2009 zur Entscheidung einer führenden deutschen Handelskette geführt, das dort vertriebene Weizenmehl mit Folsäure anzureichern. Wir setzen uns dafür ein, dass dieses Beispiel auf Sicht weitere Nachahmer findet.
Wir beteiligen uns an einer gemeinsamen Initiative des Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, des Bundesministeriums für Gesundheit sowie des Nationalen Aktionsplanes „INFORM“ mit dem Ziel einer besseren Harmonisierung der Empfehlungen zur Kinder- und Säuglingsernährung, die verschiedene Organisationen geben.
Univ.-Prof. Dr. Berthold Koletzko