Jahresbericht 2009 der Historischen Kommission

Im Berichtszeitraum fanden zwei Sitzungen der gesamten Kommission und mehrere Sitzungen der Arbeitsgruppe zur Vorbereitung einer Gedenkveranstaltung für die ermordeten Kinder aus den Tatkomplexen der NS-„Euthanasie“ in der Geschäftsstelle der DGKJ in Berlin statt.

2009 wurde die Historische Kommission in folgender Zusammensetzung für die nächsten drei Jahre berufen: Prof. Dr. Gerhard Gaedicke (Vorsitzender), Priv.-Doz. Dr. Thomas Beddies (Stellvertreter), Dr. Ernst Fukala, Prof. Dr. Volker Hesse, Dr. Thomas Lennert, Prof. Dr. Lothar Pelz, Prof. Dr. Eduard Seidler, Hedwig Wegmann, M.A. (Geschäftsführung, Archiv), Dr. Georg Lilienthal (Sachverständiger). Prof. Seidler gab den Vorsitz auf eigenen Wunsch Ende 2008 aus Alters- und Gesundheitsgründen auf, bleibt aber Mitglied der Kommission.

Nach der Jubiläumstagung in München 2008 wurde in der Kommission mit der Planung einer Gedenkveranstaltung im Rahmen der Jahrestagung in Potsdam 2010 begonnen. Anlass ist die im Jahr 1940 einsetzende Realisierung des NS-Programms zur systematischen Vernichtung „lebensunwerten Lebens“. Im Rahmen verschiedener „Aktionen“ wurden auch zahlreiche Kinder und Jugendliche Opfer dieser Taten. An der Selektion, aber auch an der Durchführung von Menschenversuchen sowie an der aktiven Tötung der Kinder waren auch Kinderärzte beteiligt.

Prof. Pelz hat vor diesem Hintergrund eine zentrale Gedenkveranstaltung für die Opfer angeregt, verbunden mit einem Anerkenntnis von Verantwortung und Schuld der Wissenschaft und damit auch der Pädiatrie an diesen Taten. Die DGKJ unternimmt damit – nach der wegweisenden Gedenkveranstaltung für die rassisch und politisch verfolgten Pädiater in der NS-Zeit in Dresden 1998 – einen zweiten bedeutsamen Schritt zur Klärung und Aufarbeitung der Geschichte der Kinderheilkunde, der Kinderärzte und der Fachgesellschaft während der NS-Zeit. Geplant ist im Rahmen der Jahrestagung 2010 derzeit eine zentrale Gedenkveranstaltung, eine Ausstellung zur Thematik, ein thematisch entsprechend ausgerichtetes historisches Symposium.

Das Berliner Archiv für Kinder- und Jugendmedizin war weiterhin Gegenstand intensiver Bemühungen im Berichtszeitraum. Das Archiv soll zukünftig am Standort des Archivs der Humboldt-Universität zu Berlin, am Eichborndamm, untergebracht werden.

Die Kommissionsmitglieder arbeiteten im Berichtszeitraum an eigenen Forschungsprojekten zur Geschichte der Pädiatrie und der DGKJ. Mitglieder der Kommission konnten u.a. zur Festveranstaltung „100 Jahre Kaiserin Auguste Victoria Haus (KAVH)“ am 20./21. Juni 2009 in Berlin beitragen; Prof. Pelz. hat zum Thema „Mecklenburgische Kinderärzte und die NS-`Kindereuthanasie´“ im Juni 2009 in Rostock gesprochen; Prof. Gaedicke hat im Rahmen der Tagung „Medizin und Judentum“ im September 2009 in Istanbul zu dem Hämatologen Erich Frank vorgetragen.

Die Kommission bedankt sich ausdrücklich für eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle der DGKJ in Berlin.

Prof. Dr. Gerhard Gaedicke
PD Dr. Thomas Beddies