Leitfaden UAWs

Die Arzneimittelkommissionen der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) haben gemeinsam einen Leitfaden zur Meldung unerwünschter Arzneimittelwirkungen bei Kindern erarbeitet.

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Die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Kinder- und Jugendmedizin

Die DGKJ fördert die wissenschaftlichen und fachlichen Belange der Kinder- und Jugendmedizin - für die bestmögliche ambulante und stationäre Versorgung,  
für eine qualitativ hohe Weiterbildung und für die Verbesserung der Arzneimittelsicherheit.

Junge Forschung im Profil

14.05.2010

Portraitfoto Peter Kühnen
Dr. Peter Kühnen

Dr. Peter Kühnen, Friedrich-Linneweh-Preisträger 2010

Die Göttinger Forschungstage für Pädiatrie führen Nachwuchswissenschaftler und bereits etablierte Forscher aus der Kinder- und Jugendmedizin zusammen, im Februar 2010 schon zum 47. Mal. „Unverzichtbar für den fachlichen Austausch“ sei diese Tagung, meint Peter Kühnen, dessen eigene wissenschaftliche Arbeit dann auch gleich ins Zentrum der wissenschaftlichen Diskussion gerückt wurde: Der 33-jährige Mediziner aus Berlin erhielt den Friedrich-Linneweh-Preis „zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Pädiatrie“.

Die Jury des würdigte Kühnens  Arbeit  Eine POMC DNA Hypermethylierung ist assoziiert mit frühmanifester Adipositas und beeinträchtigt eine P300 Bindungsstelle für ihre „neuen molekularen Einblicke in Gewichtsregulation und Adipositasentwicklung: Veränderungen der Genexpression in gewichtsregulierenden Genen durch epigenetische Modifikation, die auch exogen induziert werden kann, könnten einen Schlüssel zum Verständnis der frühen Adipositasentwicklung im Kindes- und Jugendalter darstellen“, so die Preisrichter.

Dr. Peter Kühnen ist seit 2004 als Assistenzarzt am Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie am Campus Virchow der Charité Berlin tätig. Sein Medizinstudium in Würzburg und Berlin beendete er 2003 mit der Promotion über Leptin-regulierte Gene in der Beta-Zelle des endokrinen Pankreas. 2006 erhielt er den „STEPS-Award“ der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Endokrinologie (APE).

Der mit dem Linneweh-Preis ausgezeichnete Vortrag benennt Kühnens derzeitigen Forschungsschwerpunkt: die Assoziation von POMC DNA-Hypermethylierung mit der frühmanifesten Adipositas. Der Einfluss epigenetischer Varianten auf das Körpergewicht beschäftigt den Preisträger und seine Arbeitsgruppe schon seit langem. Zwillingspaarstudien haben gezeigt, dass das Körpergewicht bis zu 70% genetisch determiniert wird. Große genomweite Assoziationsstudien (GWA) konnten in den letzten Jahren Varianten in einigen Genen (z.B. FTO) identifizieren, welche das Risiko für Übergewicht erhöhen. Allerdings, so erläutert Kühnen, erklärten diese Varianten insgesamt nur 3 % der Gewichtsvariabilität. Hier müssten weitere, bisher unbekannte Mechanismen eingreifen, möglicherweise epigenetische Modifikationen.

Das individuelle Körpergewicht wird insbesondere im Nucleus arcuatus des Hypothalamus reguliert.  Hormonelle Botenstoffe wie Leptin aktivieren Neuronen, die über das Protein und Prohormon Proopiomelanocortin (POMC) die Ausschüttung weiterer Botenstoffe (a- und ß-MSH) auslösen, die den MC-4-Rezeptor im Nucleus ventromedialis aktivieren und so das Sättigungsgefühl regulieren. Veränderungen in den Steuerungsmechanismen könnten den Signalweg mittels Genaktivität langfristig verändern, ohne dabei direkt in die DNA-Sequenz einzugreifen. Ein solcher Vorgang ist bei der Anreicherung des DNA-Bausteins Cytosin mit Methylgruppen an der CpG-Position im Genom zu beobachten, die nach festen Mustern organisiert ist (erst kürzlich konnte das erste humane „Methylom“ sequenziert werden). Dieser Mechanismus könnte  - wie die Daten zeigen - zur Ausbildung von frühmanifester Adipositas führen.

Dr. Peter Kühnen:  “In unserer Arbeitsgruppe geht es in erster Linie um die DNA-Methylierung einzelner Gene, die am Leptin-Melanokortin-Signalweg beteiligt sind. Bei adipösen Patienten fand sich (im Vergleich zu normalgewichtigen Kontrollgruppen) eine signifikante vermehrte Methylierung in einer Region des POMC-Gens. Bei der Entstehung dieses Unterschiedes spielen offensichtlich retrotransposomale Alu-Elemente innerhalb des Introns eine Rolle.“
Die beobachtete Hypermethylierung kann zu einem erhöhten individuellen Risiko für die Ausbildung von Übergewicht im Laufe des Lebens führen. Zur Frage, inwieweit die DNA-Methylierung durch Umgebungseinflüsse geprägt wird (z.B. durch die Ernährung der Schwangeren), äußert sich Kühnen skeptisch: „Da das POMC-Methylierungsmuster schon unmittelbar nach Geburt in Blutzellen von Neugeborenen nachgewiesen werden konnte, ist es wahrscheinlich, dass es sich um sehr früh in der Embryonalphase gesetzte Muster handelt." Die Suche nach einem Marker für ein erhöhtes Adipositasrisiko wird die Forschung noch weiter beschäftigen, eine therapeutische Relevanz der Arbeiten ist derzeit noch nicht in Sicht.  

Ist er nun Forscher oder Kinderarzt? Derzeit verbindet Peter Kühnen durch Labortätigkeit und die Spezialsprechstunde für Pädiatrische Endokrinologie beide Bereiche. Eine ideale Kombination, findet der Wissenschaftler, denn die Forschungstätigkeit werde ergänzt durch den konkreten Nutzen des Patienten am medizinischen Fortschritt, etwa wenn ein Kind mit angeborener Schilddrüsenunterfunktion durch das Neugeborenenscreening so frühzeitig und erfolgreich behandelt werden kann, dass ihm eine ganz normale Entwicklung ermöglicht wird. Wichtig ist es für Peter Kühnen daher, „Brücken zu bauen zwischen Labor und Klinik“.

Dr. Sybille Lunau
DGKJ-Geschäftsstelle

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