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Düsseldorfer Arbeitskreis

30.01.2018

Beteiligung der DGKJ an einer Sitzung des „Düsseldorfer Arbeitskreises VLKKD und BVKJ unter dem Dach der DAKJ“ am 21. und 22.11.2017.

Am 21. und 22. November 2017 fand in Düsseldorf die o. a. Sitzung unter der Moderation des Generalsekretärs der DAKJ (Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin) Prof. Dr. Huppertz statt. Ausgangspunkt war eine Besprechung zwischen Chefärzten aus Nordrhein und Niedersachsen Anfang des Jahres 2017 mit dem Berufsverband der Kinder- und Jungendärzte (BVKJ) zum Thema „Zusammenarbeit zwischen dem BVKJ und dem Verband der leitenden Kinder- und Jugendärzte und Kinderchirurgen Deutschlands (VLKKD)“.

Die o. a. zweitägige Folgetagung fand nun in einem größeren Rahmen statt. Teilnehmer waren die Präsidenten des BVKJ (Dr. Fischbach), der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie (DGSPJ, Frau Prof. Dr. Thyen, Dr. Oberle), des VLKKD (Prof. Dr. Kölfen) sowie die Generalsekretäre der DAKJ (Prof. Dr. Huppertz, Dr. Fricke, Dr. Banthien), Prof. Dr. Hoyer (in seiner Funktion als Vorsitzender der Weiterbildungskommission der DAKJ v. a. zum Thema Weiterbildung), Vertreter der Gesellschaft für Kinder im Krankenhaus (GKinD-Geschäftsführung, Herr Scheel) und Ärzte aus Kinder- und Jugendkliniken (Prof. Dr. Dötsch, Dr. Kentrup, Dr. Kirschstein, Dr. Seiffert) und aus der Praxis (Dr. Lang, Dr. Rodens). Für die DGKJ nahmen Prof. Dr. Mayatepek und Frau Prof. Dr. Krägeloh-Mann teil.

Drei Themenkomplexe wurden im Rahmen der Tagung abgehandelt. Die wesentlichen Ergebnisse des konsentierten Protokolls sehen wie folgt aus:

Thema 1: Gemeinsame Forderungen zur Weiterbildung zum Kinder- und Jugendarzt

Die Erbringung aller in der Weiterbildungsordnung Pädiatrie hinterlegten Inhalte müssen von der Weiterbildungsstätte vollumfänglich angeboten und von den Weiterzubildenden erbracht werden.

1. Studienplätze müssen um mindestens 30 % gesteigert werden.

2. Die Zulassungskriterien zum Medizinstudium sind zu modifizieren.

3. Forschungszeiten müssen im Rahmen der Weiterbildung zwingend anerkannt werden.

4. Fachgebiet Pädiatrie ist zu den Studierenden zu bringen: Attraktivität des Faches steigern. Die Finanzierung von akademischen, pädiatrischen Lehrpraxen im Rahmen von Modellstudiengängen und darüber hinaus muss dauerhaft sichergestellt werden.

5. Musterlogbuch (fachlich gebundener Weiterbildungsplan)

6. Durchlässigkeit zwischen ambulanter und stationärer Versorgung erhöhen.

7. Weiterbildungsassistent/-in muss im Lauf seiner Weiterbildung über die Wahlmöglichkeiten Forschung, ambulante Versorgung, Subspezialisierung und klinische Laufbahn umfassend informiert werden.

8. Umsetzung der in der Weiterbildungsordnung definierten ambulanten Inhalte von a–e muss durch die Weiterbildungsstätte gewährleistet werden, z. B. durch sektorenübergreifende vor-Ort-Kooperationen:

a) Impfungen

b) sozialpädiatrische Kenntnisse

c) Kinderfrüherkennungsuntersuchungen nach Kinderrichtlinie

d) Koordinierung und Steuerung der Behandlung über längere Zeit

e) Screening

Für sektorenübergreifende Kooperationen sollen regionale Strukturen geschaffen und/oder gefördert werden. Mustervereinbarungen hierzu sollen erarbeitet werden, die auch regionale Besonderheiten und Möglichkeiten berücksichtigen (es existieren Modelle der GKinD).

9. Vor der Niederlassung muss es eine Einführung in die ambulante Versorgung geben.

10. Um Weiterbildung im Fachgebiet Pädiatrie in Klinik und Praxis bedarfsgerecht sicherstellen zu können, muss seitens der Politik eine hinreichende Finanzierung der Weiterbildung gewährleistet werden.

Für den Punkt 8. c) wurde auch über Zahlen diskutiert. Folgende Zahlen wurden vorgeschlagen: 30 Säuglingsvorsorgeuntersuchungen, 30 Kleinkindvorsorgeuntersuchungen sowie 5 Jugendvorsorgeuntersuchungen.

Thema 2: Ermächtigungen und Ermächtigungsambulanzen

Es besteht Übereinstimmung, dass Ermächtigungs- und Institutsambulanzen für die optimale medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen erforderlich sind. Der BVKJ unterstützt diese Auffassung ausdrücklich.

1. Kinder und Jugendliche sollen in spezialpädiatrischen Ermächtigungs- oder Institutsambulanzen behandelt werden.

2. Erwachsenen Organfächer beanspruchen häufig die Behandlung von Kindern und Jugendlichen, ohne in vollem Umfang dazu befähigt zu sein. Die spezialpädiatrische Versorgung muss Vorrang vor einer Behandlung in Erwachsenen Organfächern haben.

3. Es gilt grundsätzlich ein Überweisungsvorbehalt für ermächtigte Kinder- und Jugendärzte durch niedergelassene Kinder- und Jugendärzte. Begründete Ausnahmen kann es im Einzelfall in Regionen geben, in denen Kinder und Jugendliche nicht von Pädiatern versorgt werden. Die Ermächtigung soll evtl. für die Behandlung erforderliche interne Überweisungen an andere Fachärzte in der Klinik ermöglichen.

4. Vor Beantragung einer KV-Ermächtigung sowie einer Verlängerung soll sich der Antragsteller mit dem jeweiligen Obmann des BVKJ über Art und Umfang der Ermächtigung abstimmen. Dann sollen sie mit einem Letter of Content den Antrag gemeinsam einreichen.

5. Wenn eine Einigung vor Ort nicht erzielt werden kann, kann der Antragsteller sich an den zuständigen  Landesverbandsvorsitzenden wenden mit der Bitte um Vermittlung.

Thema 3: 24 Stunden ambulante Versorgung

Es besteht Einigkeit darin, dass die Etablierung eines pädiatrischen KV-Bereitschaftsdienstes an Kinderklinken anzustreben ist, der dem Bedarf entspricht. Es wird eine gesundheitspolitische Diskussion gefordert, mit welchen Steuerungsmechanismen einem Missbrauch des Bereitschaftsdienstes abgeholfen werden kann.

1. Die Vergütung im ärztlichen Bereitschaftsdienst muss der erbrachten Leistung angemessen sein.

2. Patienten im Bereitschaftsdienst sollen einer Triage unterzogen werden.

3. Die Parteien beabsichtigen, gemeinsame edukative Maßnahmen zur Patientenaufklärung über die Aufgaben des Bereitschaftsdienstes zu ergreifen.

4. Es muss bei kooperativen Modellen des Bereitschaftsdienstes zwischen Klinik und Vertragsärzten bei der Dienstplangestaltung eine Berücksichtigung der verfügbaren personellen Ressourcen beider Seiten erfolgen.

5. Die Parteien vereinbaren eine konsentierte Dienstplangestaltung und vertreten diese gegenüber dem KV-System.

Aus Sicht der DGKJ bilden die oben dargestellten Ergebnisse, die in sehr konstruktiven Gesprächen und Diskussionen erzielt wurden, eine gute Grundlage für die immer wichtiger werdende kooperative Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen den Kliniken und den Praxen für Kinder- und Jugendmedizin.

Prof. Dr. E. Mayatepek

Prof. Dr. I. Krägeloh-Mann