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Kommentar zur stationären Versorgung

22.04.2020

Gemeinsam haben DGKJ und GKinD einen Kommentar zur Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion verfasst.

Kommentar zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (Bundestags-Drucksache 19/18033)

Die FDP-Fraktion hatte in einer Kleinen Anfrage die „Medizinische Versorgung durch Pädiater und Kinderkliniken“ thematisiert. Dabei geht die FDP-Fraktion von einem sinkenden Bettenangebot aufgrund einer Unterfinanzierung der Pädiatrie und einem in der Finanzierung nicht adäquat abgebildeten Personalbedarf aus (BT-Drucksache 19/17461).

Die angegebene durchschnittliche Bettenauslastung ist irreführend.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ) und die Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland e. V. (GKinD) weisen schon seit langer Zeit auf diese Problematik hin und befinden sich im Austausch mit den relevanten Akteuren und dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG), um tragfähige Lösungswege zu erarbeiten. Im Jahr 2019 gab es dazu erstmals ein gemeinsames Gespräch aller Akteure auf Einladung des BMG.

Es ist erfreulich, dass die Bundesregierung in ihrer Antwort der Kleinen Anfrage zu wesentlichen Punkten der stationären kinder- und jugendmedizinischen Versorgung auf diese Gespräche verweist und die dabei angebrachten Aspekte berücksichtigt. Dennoch möchten wir einige wichtige Aussagen in der Antwort der Bundesregierung kommentieren und korrigieren, wir fokussieren uns dabei auf den stationären Bereich:

Die Bundesregierung führt an, dass die sinkenden Bettenzahlen in der Kinder- und Jugendmedizin u. a. auf die Zunahme von Subspezialisierungen in der Medizin zurückzuführen sind. Kinder würden zunehmend nicht nur in Kinderkliniken sondern auch in Kliniken versorgt, die sich auf einzelne Krankheitsbilder und deren Behandlung spezialisiert haben, etwa Universitätskliniken und Maximalversorger (S. 2).

Dem stimmen wir durchaus zu. Dazu sollte aber klar gestellt werden, dass gerade in Universitätskliniken und bei Maximalversorgern diese spezialisierte Versorgung in der Regel in Kliniken/Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin und nicht in anderen Abteilungen stattfindet. Seit 2004 steigen die Fallzahlen in der Pädiatrie stetig. Durch die zunehmende Spezialisierung in der stationären Kinder- und Jugendmedizin sinkt der Anteil der Kinder, die auf Stationen der Erwachsenenmedizin versorgt werden. Die Zunahme der Fallzahlen geht einher mit einer Reduktion der Bettenzahlen und einer Reduktion der Verweildauer.

Die Bundesregierung führt die Bettenauslastung von zuletzt 66 % in 2017 als Argument gegen eine Unterversorgung in der Pädiatrie an. Sie bezieht sich dabei aber auf teilweise gar nicht existierende Planbetten.

Der vielfach vorherrschende Personalmangel in der Pädiatrie zwingt Kliniken, Betten teilweise zu sperren.

Insoweit ist die angegebene durchschnittliche Bettenauslastung irreführend.

Hinzu kommen die unterjährigen erheblichen Auslastungsschwankungen in der Kinder- und Jugendmedizin, teilweise saisonbedingt, die eine Vorhaltung von deutlich mehr (Reserve-)betten notwendig macht, als dies in Fachabteilungen für Erwachsene ausreichend erscheint.

Zudem ist eine Bettenauslastung aufgrund gestiegener Hygienevorschriften des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Mitaufnahme von Elternteilen (Begeleitpersonen) nicht mehr in dem Maße möglich, wie noch einige Jahre zuvor. Auch dies bringt eine Reduktion der für die Versorgung tatsächlich zur Verfügung stehenden Betten mit sich.

Obwohl aus diesen Gründen zeitweise nicht alle vorhandenen Betten belegt werden können, werden sie dennoch als vorhandene Betten in der Statistik ausgewiesen.

Auch kann man die Verweildauerreduktion nicht 1:1 mit einer geringeren Arbeitsbelastung korrelieren (S. 4). Denn der Aufwand für jeden einzelnen Fall bleibt weitgehend gleich, es kommt jedoch zu einer Arbeitsverdichtung im Rahmen der kürzeren Verweildauer.

Der Aussage der Bundesregierung „Die … aufgezeigten Daten rückläufiger Fallzahlen, kürzerer Verweildauer und sinkender Auslastung, sprechen – trotz möglicher Engpässe im Einzelfall – gegen eine stationäre Unterversorgung“ (S.5), können wir daher explizit so nicht folgen, zumal die Fallzahlen seit 2004 ansteigen.

Pflegestellen sind Streichungen zum Opfer gefallen.

Seit dem Jahr 2020 soll die Pflege aus dem DRG-System mit dem Ziel ausgegliedert werden, die tatsächlich anfallenden, in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen höheren Personalkosten zu vergüten. Das ist prinzipiell ein positives Ziel, das wir begrüßen. Man sollte sich nur der Tatsache gegenwärtig sein, dass in vielen Kinder- und Jugendkliniken die tatsächlich anfallenden Personalkosten das Ergebnis eines Sparkurses über rd. 20 Jahre sind und damit einen Mangel abbilden. Pflegestellen sind Streichungen zum Opfer gefallen (Stichwort Sparpotenzial) mit der Konsequenz hoher Arbeitsverdichtung. Das hat bereits jetzt zu einer zunehmenden Unattraktivität der Pflegeberufe geführt, noch verstärkt durch die oft nicht angemessene, zu niedrige Vergütung der Pflegekräfte. Pflegestellen konnten häufig nicht wiederbesetzt werden, so dass die aktuellen Zahlen im Pflegebereich nicht den wirklichen Bedarf abbilden.

Darüber hinaus fürchten wir, dass die politisch gewollte Einführung der generalistischen Pflegeausbildung viele derjenigen, die nur an der Kinderpflege interessiert sind, von einer Bewerbung für diese Pflegeausbildung abhalten wird, zumal viele Ausbildungsstätten den separaten Ausbildungsabschluss Gesundheits- und Kinderkrankenpflege nicht mehr anbieten wollen.

Wir hoffen, dass das Gespräch im Bundesministerium für Gesundheit mit den Ländervertretern und den Fachverbänden, zu dem uns das BMG einlud und das pandemiebedingt abgesagt werden musste, stattfinden kann, sobald der Coronavirus bedingte Ausnahmezustand dies ermöglicht.

 

Zudem verweisen wir auf den Kommentar der DGKJ, der GKinD und des VLKKD auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE (Bundestags-Drucksache 19/7270) aus dem Jahr 2019 (https://www.dgkj.de/kommentar-kinderkliniken).