Presseinfo zum 9. November 2018



Forschung gegen das Vergessen: Zum Schicksal jüdischer Kinderärzte in der NS-Zeit

9. November 2018

Ihre Schicksale sollen nicht in Vergessenheit geraten: Für Recherche und Forschung stellt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) auf www.dgkj.de eine Datenbank online, in der die Lebenswege von knapp 800 deutsch-jüdischen Kinderärztinnnen und Kinderärzten in den Jahren der NS-Herrschaft verzeichnet sind. In dieser Zeit wurden mehr als die Hälfte der Kinderärzte in Deutschland aus politischen und vor allem auch aus „rassischen“ Gründen vertrieben, deportiert oder ermordet.

"Jüdische Kinderärzte 1933-1945"

Die frei zugängliche Datenbank basiert auf der Publikation "Jüdische Kinderärzte 1933-1945. Entrechtet - geflohen - ermordet" von Prof. Dr. Eduard Seidler. Der Medizinhistoriker aus Freiburg war langjähriger Vorsitzender der Historischen Kommission, mit der die Fachgesellschaft der Kinder- und Jugendmedizin in Deutschland die eigene Rolle und die ihrer Mitglieder in der NS-Zeit aufgearbeitet hatte.

Das Buch Prof. Seidlers wurde international mit großer Anerkennung aufgenommen, so bezeichneten die Israel Medical Association und die Israel Society of Pediatrics das Buch als „cornerstone in the study of the medical history of the Holocaust“. – Eduard Seidlers Dokumentation aus dem Jahr 2000 ist mittlerweile (auch in der Neuauflage von 2007) komplett vergriffen.

Recherche online

Die biographischen Recherchen Eduard Seidlers werden nun auf der Homepage der DGKJ in einer Datenbank angeboten, die in Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin realisiert wurde. Sie ist mit Literatur- und Quellenverweisen unterlegt und wird kontinuierlich um neue Hinweise ergänzt.

Direkt zur DGKJ-Datenbank

Prof. Dr. Thomas Beddies von der Historischen Kommission der DGKJ beschreibt das Projekt: „Die Lebensdaten hunderter Kinderärztinnen und Kinderärzten in Deutschland zwischen 1933 und 1945 wurden recherchiert aus Korrespondenzen, Amtseinträgen und Verzeichnissen. Erinnerungen von Zeitzeugen und Zitate aus Schriftwechseln ergänzen die biographischen Daten und lassen das tragische Schicksal des Einzelnen aufscheinen.“

Bild: DGKJ
Auszug aus dem Eintrag "Felix Blumenfeld"
Auszug aus dem Eintrag "Klara Oppenheimer"

Die biographischen Daten geben trotz ihrer sachlichen Kürze Einblicke in die politischen Ereignisse und deren Auswirkungen, und sie lassen die persönliche Ebene erahnen: Mit der Datenbank bietet die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin nicht nur die Möglichkeit, medizinhistorisch zu recherchieren, sondern erinnert damit auch an die Entrechtung, Vertreibung oder Ermordung nahezu aller jüdischen Kolleginnen und Kollegen aus der Kinderheilkunde zwischen 1933 und 1945.

Pressekontakt:

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)
Dr. Sybille Lunau
Chausseestr. 128/129 | 10115 Berlin
Tel. +49 30 3087779-14
presse(at)dgkj.de| www.dgkj.de