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Gesunde Ernährung – aber wie?

16.06.2020

Um die Ernährungskompetenz ist es in Deutschland nicht allzu gut bestellt, konstatiert die heute vorgestellte Studie des AOK-Bundesverbandes.

Demnach verfügt mehr als die Hälfte der Bundesbürger (53,7 Prozent) über eine problematische oder gar inadäquate Ernährungskompetenz (Food Literacy).

Prof. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, kommentierte auf der Pressekonferenz in Berlin die Studienergebnisse: „Die aktuelle Untersuchung des AOK-Bundesverbandes zur Ernährungskompetenz der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland zeigt eine erschreckend ungünstige Lage. Als Kinder- und Jugendarzt beunruhigt mich besonders die deutlich schlechtere Ernährungskompetenz bei jüngeren Erwachsenen: 63 Prozent der 18- bis 24-Jährigen zeigen problematische oder inadäquate Werte, verglichen mit nur 43 Prozent bei über 60-Jährigen.“

Erschreckend, so Koletzko, ist besonders eine der Folgeerscheinungen, nämlich der Anstieg des Adipositasrisikos von Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Familien: War dieses vor etwa einem Jahrzehnt etwa dreifach höher als das von Kindern in Familien mit hohem sozioökonomischem Status, ist der Unterschied jetzt auf das 4,1 bis 4,4fache angestiegen.

„Offenbar erreicht die von der Bundesregierung favorisierte Strategie der Stärkung von Familien durch vielfältige Informationsangebote und gut gemachte Broschüren nur unzureichend die Risikogruppen. - Es bedarf einer Ergänzung durch wirksame verhältnispräventive Maßnahmen, die eine gesündere Wahl für alle Bevölkerungsgruppen zur leichteren Wahl machen!“, fordert Prof. Koletzko.

Dazu zählt neben einer konsequenten Beschränkung der an Kinder gerichteten Lebensmittelwerbung auch der Nutriscore, der in Deutschland und anderen europäischen Ländern bislang nur auf freiwilliger Basis Lebensmittelprodukte kennzeichnen soll. Prof. Koletzko sieht dies als nicht ausreichend an: „Bundesministerin Klöckner sollte die Chance der deutschen EU-Präsidentschaft ab Juli 2020 nutzen, eine europaweite verpflichtende Einführung durchzusetzen. Das wäre ein großer Erfolg sowohl für die Ministerin als auch für die nachhaltige Verbesserung der Ernährungskompetenz und Gesundheit der Verbraucher“.

Die DGKJ hat sich in diesem Bereich mit zahlreichen Statements und Stellungnahmen positioniert, zuletzt hier.