nurmiteinander



Kampagne #nurMITeinander – für gute Medizin

Dieses Szenario kennen wir alle nur zu gut: wir stehen zusammen mit der Schwester auf dem Gang um unsere Patienten zu visitieren, das Telefon klingelt zum X. Mal, die PJlerin hat einige Fragen, eine Mutter wünscht ein Aufklärungsgespräch und dann ereignet sich in der Ambulanz noch ein Notfall, zu dem wir dazu gerufen werden…

In solchen Situationen bleiben leider manchmal die gewohnte Freundlichkeit, Gelassenheit und vor allem eine klare, konkrete und konstruktive Kommunikation auf der Strecke, vor allem in Zeiten der zunehmenden Arbeitsverdichtung!

Mit vermehrtem Stress stumpfen wir ab und können uns nicht mehr auf unsere ureigensten Werte besinnen!

Genau aus diesem Grund startet das Bündnis Junge Ärzte vom 04.02. bis 10.02.2019 die Kampagne „#nurMITeinander – für gute Medizin“. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein für ein gutes Miteinander und einen höflichen Umgang im medizinischen Alltag zu stärken!

Angelehnt ist die Aktion an das britische Projekt ‚Civility Saves Lives‘, welches von Chris Turner und Kollegen ins Leben gerufen wurde und sich aktiv gegen Unhöflichkeit im Krankenhaus wehrt. Wissenschaftliche Studien konnten zeigen, dass Ärzte, die einem schlechten Umgang ausgesetzt sind, weniger hilfsbereit und kooperativ sind und dass damit die Versorgungsqualität sinkt.1

In der ersten Februarwoche wird deshalb jeder Tag unter einem speziellen Motto stehen. Dieses soll alle an der Patientenversorgung Beteiligten motivieren, bewusst darauf zu achten, wie wir miteinander kommunizieren und umgehen. So richtet sich die Aktion nicht nur an alle ärztlichen Kollegen vom Assistenz- bis zum Chefarzt, sondern auch an alle anderen Berufsgruppen, die in unserem Gesundheitssystem zusammenarbeiten.

Das Bündnis Junge Ärzte konnte kürzlich in einer gemeinsamen Studie mit der Jungen Pflege und der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) zeigen, dass 70% der jungen angestellten Ärzte und Pflegekräfte gefährdet sind ein Burn-Out zu erleiden, ca. 20% nehmen regelmäßig Medikamente aufgrund von Arbeitsstress ein und 73% wurden im letzten Jahr häufiger als viermal Opfer verbaler und 42% Opfer von körperlicher Gewalt.

Außerdem wurde deutlich: je besser die Zusammenarbeit zwischen Pflege und Ärzteschaft, desto höher die Versorgungsqualität. Eklatant ist, dass sich mit zunehmendem Arbeitstempo die Zusammenarbeit zwischen den beiden Berufsgruppen massiv verschlechtert.

All das ist zudem auch von betriebs- und volkswirtschaftlicher Relevanz und somit für Arbeitgeber und politische Akteure im Gesundheitswesen von besonderer Bedeutung. So wirkt sich ein schlechter Gesundheitszustand aller medizinischer Fachkräfte direkt auf die Personalfluktuation und – kosten aus. Darüber hinaus konnte belegt werden, dass überlastete Ärzte und Pflegekräfte eine nachweislich schlechtere Patientenversorgung leisten.2

Auch international wird immer mehr Aufmerksamkeit auf das persönliche Risiko der Arbeitnehmer im Gesundheitswesen im Sinne des Burnouts und der Suizidalitätsrate gelegt.2,3,4

Unser Fazit:

Durch ein gutes Miteinander können wir Ärzte und alle in der Patientenversorgung Tätigen und Verantwortlichen in Zeiten der zunehmenden Arbeitsverdichtung und trotz des massiven Drucks durch Ökonomisierung einen wichtigen Beitrag für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung leisten! Für uns und unsere Patienten!

Das Bündnis Junge Ärzte und die Junge DGKJ laden alle im Gesundheitswesen herzlich ein, sich über die Kampagne zu informieren und dieser anzuschließen! Für uns und unsere Patienten!

Nur gemeinsam können wir die Herausforderungen des medizinischen Alltages bewältigen gemäß dem Motto: #nurMITeinander – für gute Medizin! 

Text: Iris Eckhardt, (DGKJ, Vertreterin im Bündnis Junge Ärzte) und Mira Mikhail (GeSRU e.V., Sprecherin Bündnis Junge Ärzte)

Kampagne

Fußnoten

RISKIN, A, et al. The impact of rudeness on medical team performance: A randomized trial. Pediatrics, 2015, S. peds. 2015-1385.

WEST, CP; HUSCHKA, MM; NOVOTNY, PJ; et al: Association of perceived medical errors with resident distress and empathy: a prospective longitudinal study. JAMA 2006; 296: 1071-8.

THOMAS, LP; RIPP, JA; WEST CP: Charter on physician well-being JAMA 2018

SHANAFELT, T; GOH, J; SINSKY, C: The business case for investing in physician well-being. JAMA Intern Med. 2017;177(12):1826-1832.