Jahresbericht 2018/19



Jahresbericht der DGKJ 2018/19
anlässlich der DGKJ-Mitgliederversammlung am 13.09.2019 in München

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Thematische Schwerpunkte

Dies sind die aktuellen Themen der DGKJ:

  • Arzneimittelsicherheit
  • Ausbildung, Lehre und Weiterbildung
  • Finanzierung Kinderkliniken
  • Forschungszentrum Kindergesundheit
  • Nachwuchsgewinnung / Förderung Junge DGKJ
  • Pflegeausbildung und Pflegepersonaluntergrenzen
  • Prävention und Förderung einer gesunden Lebensweise
  • Seltene Erkrankungen

Wie ich schon letztes Jahr berichtete, sehe ich mit dem Geschäftsführenden Vorstand neben der gesundheitspolitischen Interessenvertretung vor allem die Nachwuchsarbeit als zentrale Aufgabe der DGKJ. Diesem Ziel sind die DGKJ-Veranstaltungsreihen Repetitorien, Kompetenztrainings und Assistentenkolloquien gewidmet. Bei den Assistentenkolloquien übernimmt die DGKJ sogar die Reisekosten der Teilnehmer.

Auch das Veranstaltungsformat „Neu hier?!“, das Frau Dr. Gaiser entwickelt hat und verantwortlich zeichnet, hat den Nachwuchs im Blick. Dieses läuft auch während des diesjährigen Kongresses. „Neu hier?“ richtet sich an junge Teilnehmerinnen/Teilnehmer bei ihrem ersten Kongressbesuch und bietet Erfahrungsaustausch mit Mentoren; wichtig ist aber auch die Möglichkeit für den unkomplizierten persönlichen Austausch.

Weiterer Schwerpunkt der gesundheitspolitischen Arbeit waren die Bemühungen um ein Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit sowie auch die finanzielle Situation der stationären Kinder- und Jugendmedizin.

Politische Interessenvertretung und politische Themen

Generalsekretär

Die gesundheitspolitischen Präsenztermine in Berlin übernimmt zum großen Teil der Generalsekretär, Herr PD Dr. Burkhard Rodeck. Gesprächspartner sind Ministeriumsvertreter, MdBs, Vertreter der ärztlichen Selbstverwaltung (GKV-Spitzenverband, BÄK, G-BA etc.) sowie weitere gesundheitspolitischen Akteure (Pharmafirmen, Wohlfahrtsverbände, andere wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsverbände).

Herr Rodeck übernimmt routinemäßig solche Termine wie zum „Postnatalen Kindeswohl: medizinische Versorgung nach der Entbindung“ bei der Kinderkommission des Deutschen Bundestages am 08.05.2019:

Bild: DGKJ

Herr Rodeck bringt die DGKJ-Position in die zahlreicher werdenden Anhörungstermine zu den Stellungnahmeverfahren des Gemeinsamen Bundesausschusses oder auch zu Gesetzentwürfen des Bundesgesundheitsministeriums oder des Deutschen Bundestages ein. Darüber vertritt er das DGKJ-Präsidium in Gremien unserer befreundeten Verbände, wie z.B. im Forum der DAKJ.

Ein aktuelles Interview mit ihm findet sich auf unserer Website und in der September-MoKi: Hier nachlesen.

Nachfolgend gehen wir nur auf einzelne Punkte vertiefend ein. Bei vielen Themen stimmt sich die DGKJ mit befreundeten Verbänden ab, damit die pädiatrischen Stimmen gegenüber den politischen Akteuren alle dieselbe Linie vertreten.

Deutsches Forschungszentrum Kinder- und Jugendgesundheit

Die Stärkung der Forschung in der Kinder- und Jugendmedizin hat dank unseres Engagements Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden, ebenso in das Ende November 2018 vom Kabinett verabschiedete Rahmenprogramm Gesundheitsforschung der Bundesregierung.

Anfang des Jahres führte das Bundesminsieterium für Bildung und Forschung viele Gespräche mit Organisationen, die von dem genannten Forschungszentrum inhaltlich tangiert sind, z.B. mit Patientenvertretern. Auch die DGKJ war hier eingebunden in Person der Präsidentin und des Vizepräsidenten. – Hier hat sie zum wiederholten Male ihr Konzept für ein solches Forschungszentrum, fokussiert vor allem auf die Stärkung der kinder- und jugendmedizinischen Forschung (und weniger auf gesellschaftsrelevante Fragestellungen) vertreten. Die DGKJ suchte wie auch schon in den letzten Jahren so auch im Nachgang dieser Gespräche den Dialog mit dem BMBF. Dennoch konnten wir die Ausschreibung für das Forschungszentrum nicht forcieren.

Finanzierung von Kinderkliniken

Die Finanzierung der Kinderkliniken ist seit einigen Jahren ein wichtiges Anliegen der DGKJ. Die Pädiatrie ist durch folgende Charakteristika im DRG-System systemimmanent schlechter gestellt: durch die hohe Quote nicht-planbarer Aufenthalte, durch die höheren Vorhaltekosten, durch eine deutlich höhere Zahl von DRGs auf die einzelne Abteilung bezogen im Vergleich zu den Erwachsenenstationen etc.

Ein besonderes Problem sind die Fälle mit extrem hohen Kosten, die vor allem in Häusern der Maximalversorgung immer wieder auftreten.

Im Frühjahr 2019 vertrat die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion DIE LINKE die Auffassung, dass es in der Pädiatrie eher eine Über- denn eine Unterversorgung gebe. Dieser Einschätzung traten wir öffentlich entgegen.

Ende Juni konnten wir, Präsidentin und Generalsekretär, gemeinsam mit weiteren Akteuren aus der Pädiatrie, dem Bundesminister für Gesundheit selbst, die Finanzierungsproblematik der stationären Versorgung in der Kinder- und Jugendmedizin erläutern. Dies war ein gutes und konstruktives Gespräch, das in konkreten Aufgaben resultierte und dem Versprechen für Folgegespräche. Ein weiteres Gespräch von Generalsekretär und Geschäftsführung mit dem zuständigen Abteilungsleiter im BMG folgte einige Tage später.

Wir setzen uns als Fachgesellschaft dafür ein, eine Lösung für die Finanzierung der Kinderkliniken herbeizuführen, und arbeiten hier mit GKinD, v.a. Herrn Scheel, sehr eng und gut zusammen.

Arzneimittelsicherheit

Die DGKJ-Kommission für Arzneimittelsicherheit im Kindesalter unter Leitung von Prof. Zepp bearbeitet eine Thematik, der sich die DGKJ seit vielen Jahren intensiv widmet. In politischen Gesprächen adressiert der Generalsekretär dieses Thema regelmäßig. Das im Juni vom Bundestag verabschiedete Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung begrüßt die DGKJ, die etliche für die Kinder- und Jugendmedizin positive Maßnahmen fixiert, z.B. die Dokumentations- und Meldepflichten. Aber die fehlende Sicherheit in der Arzneimittelanwendung bei Kindern wird auch dieses Gesetz nicht beseitigen. Eine politische Lösung ist derzeit leider nicht wirklich im Blick.

Wir erhoffen uns eine Verbesserung der Situation nach Auswertung der Projekte conect4children (c4c, Collaborative Network for European Clinical Trials for Children) und dem KidProtect-Innovationsfonds-Projekt. Bei beiden Projekten ist die DGKJ involviert.

Bis dahin bringen wir dieses Thema weiterhin in den Dialog mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss wie auch mit dem BMG, BfArM wie auch Bundespolitikern.

Prävention der Adipositas / Gesunde Ernährung

Die Prävention von kindlichem Übergewicht und Adipositas und die Förderung einer gesunden Ernährung und Lebensweise sind ein wichtiges Anliegen der DGKJ schon seit vielen Jahren.

Da wir nach mehr als zehn Jahren der DGKJ-Beteiligung bei der Plattform Bewegung und Ernährung (peb) keine Möglichkeit mehr sahen, unseren Präventionsansatz durchzusetzen, weil die Industrie-beteiligung sich hierfür nachteilig auswirkt, trat die DGKJ zusammen mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte wie auch der Deutschen Adipositasgesellschaft aus der Plattform Bewegung und Ernährung zum Ende des Jahres 2018 aus. Um den Austritt in der Öffentlichkeit zu verkünden, organisierten wir für den 18.09.2018 eine Pressekonferenz im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin.

Bild: DGKJ
Abb.: Pressekonferenz 18.09.2018. Von links: B. Koletzko, T. Fischbach, S. Wiegand, I. Krägeloh-Mann, B. Rodeck.

Die DGKJ ist bei der Reduktionsstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) beteiligt, ebenso wie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Diese zielt v.a. auf eine Reduzierung von Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten.

Bundesministerin Klöckner setzt auf die freiwillige Beteiligung und Umsetzung der Industrie hierbei. Die Freiwilligkeit der Selbstverpflichtung der Industrie sehen wir überaus kritisch.

Die DGKJ nahm im Dezember 2018 Stellung zu dieser Reduktionsstrategie und bringt sich seitdem bei den Treffen des Beraterkreises als kritische Partnerin ein.

Im Koalitionsvertrag ist auch die Einführung einer freiwilligen Kennzeichnung von Lebensmitteln festgeschrieben. – Die DGKJ hat sich hier für den sog. NutriScore entschieden, weil er auf einen Blick Auskunft gibt über eine günstige oder ungünstige Nährstoffzusammensetzung – eine wichtige Voraussetzung, damit unserer wichtigsten Zielgruppe für eine gesunde Ernährung, die Wahl für das gesunde Produkt erleichtert wird.

Das Vorgehen des BMEL bei der Nährwertkennzeichnung ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar und enttäuschend. Daher beteiligten wir uns bei der von Dt. Allianz für Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) und Dt. Diabetes-Gesellschaft gestarteten Initiative für eine unabhängige repräsentative Umfrage durch forsa zu den beiden Nährwertkennzeichnungen, NutriScore und dem vom BMEL beauftragten Label. Zentrale Frage war, welches Label bei den Verbrauchern besser abschneidet. Das Ergebnis fiel eindeutig zugunsten des NutriScore aus. Die Umfrage wurde am 14.08.2019 der Öffentlichkeit präsentiert. Prof. Koletzko als Vorsitzender unserer Ernährungskommission brachte die pädiatrische Einschätzung auf den Punkt. Das Medienecho war überaus positiv.

Bild: DGKJ
Abb.: Aus dem Medienecho. Auf der Pressekonferenz (Mitte: B. Koletzko für die DGKJ).

Sie finden auf unserer Website unter dem Suchbegriff „Adipositas“ weitere Informationen zum DGKJ-Engagement zu diesem Bereich.

Darüber hinaus ist die DGKJ in folgenden Gremien aktiv, die im Zusammenhang mit dem Thema Ernährung stehen:

  • Wissenschaftlicher Beirat des Netzwerks Gesund ins Leben (Leiter des Beirats: Prof. Koletzko)
  • Dt. Allianz für Nichtübertragbare Krankheiten (DANK, PD Dr. Rodeck oder die Geschäftsstelle (Dr. Olbrisch/Schmidt)
  • Expertengremium Essstörungen beim BMG (PD Dr. Rodeck/Prof. Zimmer)
  • Nationale Stillkommission (Prof. Koletzko)

 

Prävention durch Impfungen: Masernschutzgesetz

Das Masernschutzgesetz war v.a. im Frühsommer sehr stark in den Medien. Die pädiatrische Stellungnahme zu diesem Gesetz erarbeitete die DAKJ mit ihrer Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen.

Wir konnten Almuth Schult, die WM-Nationaltorhüterin des VfL Wolfsburg, als Impfbotschafterin für die DGKJ gewinnen. Sie setzt sich nach schwerer Masernerkrankung als Leistungssportlerin für die Schutzimpfung ein und erreicht über ihre engagierte Art hoffentlich viele junge Sportlerinnen und Sportler und deren Familien.

Bild: VfL Wolfsburg/regios24
Abb.: Almuth Schult, Welttorhüterin. Bild: VfL Wolfsburg/regios24.

PDF des Berichts

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