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Presseinfo: Babytees bald zuckerfrei?

17.10.2018

BMEL gibt Grundsatzvereinbarung mit Lebensmittelwirtschaft bekannt.

Bild: Colourbox

Immer mehr Stimmen aus Politik und Verbraucherschutz plädieren für weniger Fett, Zucker und Salz in Lebensmitteln. Nun vermeldet das Bundesministerium für Ernährung eine Übereinkunft mit Wirtschaftsverbänden der Ernährungsindustrie in diesem Sinne, denn es sei eine „Grundsatzvereinbarung“ für gesündere Fertigprodukte getroffen worden. Aus dieser Selbstverpflichtung würden binnen Jahresfrist Produktverbesserungen folgen, erwartet Ernährungsministerin Julia Klöckner.

Für Babytees und Kindermilchgetränke soll der Zuckerzusatz schon zeitnah und per gesetzlicher Festlegung einer neuen Diätverordnung klar verboten werden, teilte das Bundesernährungsministerium mit. Das Verbot betreffe zugesetzte Zucker und süßende Zutaten (z. B. Stevia, Maltulose, Isomaltulose oder auch Dextrose) in Säuglings- und Kindertees sowie in Kindermilchen.

„Diese Entwicklung ist ein guter Schritt voran, und wir gehen davon aus, dass im Sinne des Gesetzgebers jegliche Form des Zusatzes von Süßungsmitteln in Kindertee und Kindermilch unterbunden wird – ob dies nun raffinierter Zucker, Honig oder Fruchtzucker ist“, begrüßt Burkhard Rodeck von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) die Berichte über eine gesetzliche Zuckerreduktion. Die  Folgenahrungen für ein- bis 3-jährige Kleinkinder, die sog. „Kindermilchgetränke“, sollten ohnehin ohne Zusatz von Zuckern wie Fruktose oder Saccharose und ohne künstliche Aromastoffe auskommen, auch um die im frühen Kindesalter stattfindende Geschmacksprägung nicht zu stören, so die DGKJ.

Der Bedarf an weitergreifenden Regulierungen auch anderer Produktgruppen aber, so DGKJ-Generalsekretär Rodeck, sei ungebrochen groß, denn besonders Kinderprodukte sind wesentlich süßer als vergleichbare Produkte, die für Erwachsene konzipiert sind. So enthielten im Jahr 2017 untersuchte Frühstücksflocken/–zerealien für Erwachsene schon viel zu viel Zucker (2 bis 35 g/ 100g), aber ausgerechnet in den für Kinder ausgelegten Frühstücksflocken fand sich noch mehr Süßes (14,9 - 43 g Zucker/100 g Produkt).* Ein mit dem Image des gesunden Essens für die Zielgruppe „Kind“ vermarktetes Honig-Müsli enthielt 39,3 % Zucker, die Variante „Schoko-Müsli“ 35 %.

„Das Vereinbarungspapier zielt zwar in die richtige Richtung, ist jedoch nur als Grundlage zu verstehen. Es ist nun an allen Beteiligten, die Details der Strategie mit genauen und fachspezifisch greifenden Vorgabenformulierungen bestmöglich auszugestalten. Die DGKJ wird mit umfassender Expertise für die Belange der Kinder und Jugendlichen daran mitarbeiten“, so Rodeck weiter.

In der Übereinkunft heißt es, dass Maßnahmen bei speziell an Kinder und Jugendliche gerichteten Lebensmitteln eine besondere Priorität genießen sollen, „da Kinder und Jugendliche zu den besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppen gehören und Übergewicht im Kinder- und Jugendalter mit Übergewicht und weiteren ernährungsmitbedingten Krankheiten im Erwachsenenalter assoziiert“ ist.

Burkhard Rodeck sieht die Zuckerreduktion für Babytees und Kindermilchgetränke als wesentliches Signal und konkreten Fortschritt in der Politik für Kinder. Die DGKJ hatte erst im September gemeinsam mit zwei weiteren Organisationen der Kindergesundheit den Austritt aus der „Plattform Ernährung und Bewegung“ (PEB) bekannt gegeben. PEB ist ein Zusammenschluss, der ursprünglich verbraucherorientiert agieren wollte und der aus Sicht der wissenschaftlichen Fachgesellschaft deutlich von der Lebensmittelindustrie dominiert wird.

Es bleibt nun abzuwarten, ob die freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie nun tatsächlich zu Änderungen der Lebensmittelformulierungen, der Kennzeichnung und der Vermarktung führt.


*s. Max Rubner-Institut, Zusatzauswertung zum Bericht „Häufig im Lebensmitteinzelhandel gekaufte industriell vorgefertigte Produkte“. Februar 2017, redaktionell überarbeitet im August 2018 [Online].