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Qualifizierte Notfallversorgung für alle – warum dann nicht für Kinder?

09.07.2018

Die DGKJ befürchtet eine äußerst negative Auslegung des G-BA-Beschlusses über Notfallstrukturen in Krankenhäusern.

Schon bei Bekanntgabe des Beschlusses des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der in seiner Sitzung am 19. April 2018 eine Regelung der Kapazitäten für die Notfallstrukturen in Krankenhäusern festhielt, befürchtete die DGKJ wegen zu hoher Vorgaben für Kliniken und Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin entsprechend negative Auswirkungen auf die Versorgung pädiatrischen Patienten.

Laut G-BA-Beschluss sollen für das „Modul Notfallversorgung Kinder“ zehn pädiatrische Intensivbetten bereitgehalten werden. Die Betten eines ggf. ebenfalls vorhandenen Perinatalzentrums Level 1 sind hier nicht berücksichtigt und wären zusätzlich vorzuhalten. Rund 2/3 der Kliniken, die bundesweit für eine umfassende Notfallversorgung von Kindern in Frage kommen, betreiben zurzeit eine gemeinsame Kinder-Intensivstation, für die pädiatrische (PICU) sowie für die neonatologische (NICU) Versorgung.

Als wissenschaftliche Fachgesellschaft der Kinder- und Jugendmedizin hatte die DGKJ im Vorfeld des G-BA-Beschlusses sehr konkret zu diesem Aspekt Stellung bezogen und für eine Lösung mit 12 Betten für PICU und NICU zusammen plädiert.

Die Diskussion um die Beschlussfassung des G-BA lässt jetzt leider befürchten, dass es auch aus anderer Richtung zu herben Einschnitten für die Kinderkliniken kommen kann, erläutert DGKJ-Generalsekretär PD Dr. Burkhard Rodeck: „Die vorliegende Fassung lässt das Szenario zu, dass auch Krankenhäuser der Erwachsenenmedizin in der umfassenden Notfallversorgung - selbst ohne jegliche pädiatrische Kompetenz - Strukturzuschläge bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen abrechnen können!“

Zudem sei nicht eindeutig geklärt, ob gem. § 25 Abs. 4 das Modul Notfallversorgung Kinder nur von selbstständigen Kinderkliniken angewendet werden kann, oder auch von Kinderabteilungen in großen Kliniken, die über eine pädiatrische Intensivstation verfügen.

Das dem Beschluss eigentlich innewohnende Ziel, nämlich die Notfallstrukturen für eine qualifizierte kompetente Versorgung der Patienten zu sichern, würde durch eine solche Umsetzung in jedem Fall für Kinder und Jugendliche komplett konterkariert.

Zum G-BA-Beschluss (Modul "Notfallversorgung Kinder" in § 25)

Dr. Sybille Lunau, DGKJ-Geschäftsstelle