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Stellungnahme zur Ausbildungs- und Prüfungsverordnung Pflegeberufe

22.06.2018

In dem Papier geben GKinD und DGKJ konkrete Anmerkungen zum Entwurf der Verordnung (PflAPrV), die am kommenden Montag im Kabinett diskutiert wird.

Der Brief ging an einzelne Abgeordnete des Deutschen Bundestags. Die gesamte Stellungnahme ist hier in Gänze   nachzulesen.

Aus dem Brief:

Als wissenschaftliche Fachgesellschaft der Kinder- und Jugendmedizin wie auch als Interessenvertretung der Kinderkrankenhäuser und –abteilungen im Verbund mit vielen anderen Organisationen in den letzten zwei Jahren für den Erhalt der spezifischen Kinderkrankenpflege-Ausbildung einsetzt.

Den Kompromiss, wie er im Pflegeberufereformgesetz zum Tragen kommt, sehen wir auch als Erfolg unserer Bemühungen.

Warum tangiert uns die Pflegeausbildung? – Uns geht es um eine gute medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Teil dieser Versorgung ist die Pflege durch qualifiziertes Personal. Die Pflege von Kindern und Jugendlichen unterscheidet sich deutlich von der für Erwachsene, der kindliche Organismus ist durch Spezifika gekennzeichnet und nicht nur einfach kleiner. Gute Pflege für Kinder ist nur möglich durch ein Pflegepersonal, das auf seine Aufgabe hinreichend in Theorie und Praxis vorbereitet wurde.

Kinder benötigen die besondere Fürsorge auch des Gesetzgebers

aus dem gemeinsamen Brief GKinD/DGKJ

Jetzt geht es aus unserer Sicht darum, mit der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen an möglichst allen Pflegeausbildungs-Standorten mit einer kinder- und jugendmedizinischen Abteilung die Spezialisierung Kinderkrankenpflege weiterhin erhalten bleibt.

Die Pflegeschulen werden aber versuchen, die Ausbildung mit einem möglichst geringen Aufwand standardisiert anzubieten, zumal es auch schon Aufrufe von Seiten mancher Organisationen gab, lediglich die generalistische Ausbildung anzubieten.

Aus unserer Sicht sollte daher verhindert werden, dass Ausbildungsplätze in der Kinderkrankenpflege umgewidmet werden und deshalb verbindlich festgelegt werden, dass Schulen, die bisher Ausbildungsplätze in der Kinderkrankenpflege angeboten haben, diese weiterhin für die Vertiefung pädiatrische Versorgung und die Spezialisierung Gesundheits- und Kinderkrankenpflege vorhalten.

Weitere wichtige Punkte sind:

  • Pflegeabsolventen, die lediglich die praktischen Pflichteinsätze von 60 bis 120 Stunden absolviert haben, sind nicht für die Pflege von Kindern und Jugendlichen qualifiziert. Dies muss allen Beteiligten, auch den Absolventen, v.a. vor dem Hintergrund einer Übernahmeverschuldens-Problematik deutlich gemacht werden. Wir mahnen an, in die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung hineinzuschreiben, dass ein generalistischer Pflegeabschluss ohne pädiatrische Vertiefung eine Nachqualifikation für den Einsatz in der Kinder- und Jugendmedizin erfordert.
  • Die vorgesehenen Stundenkontingente für den Unterricht, die sich speziell auf Kinder beziehen, sind mit mindestens 500 bis 700 Stunden für die 3 Ausbildungsjahre als zu gering angesetzt. Wir fordern eine Erhöhung auf 470 Stunden im 1. und 2. Ausbildungsjahr sowie 350 Stunden im 3. Ausbildungsjahr bei der Vertiefung Pädiatrische Versorgung.
  • Die Ausbildungsträger müssen dazu verpflichtet werden, dass Auszubildende, die die Vertiefung Pädiatrische Versorgung gewählt haben, mindestens ein Drittel ihrer praktischen Einsätze in den ersten zwei Jahren in der Kinder- und Jugendmedizin absolvieren können.
  • Die Qualifikation des Lehrpersonals: Lehrpersonen, die im Unterricht die Inhalte zur Pflege von Kindern und Jugendlichen vermitteln, müssen über einige Jahre praktischer Pflege-Erfahrung in der Kinder- und Jugendmedizin verfügen, andernfalls wird das Ziel verfehlt.
  • Wir wollen, dass die Ausbildungsplätze in der Kinder- und Jugendmedizin v.a. für die Auszubildenden erhalten bleiben, die später in der Pädiatrie tätig werden wollen. Die Pflichteinsätze von 60 bis 120 Stunden für alle über 120.000 Pflegeschülerinnen und –schüler sehen wir als Belastung und nicht als Chance.

Im Koalitionsvertrag gibt es den wunderbaren Satz: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Die Belange und die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen bedürfen der besonderen Berücksichtigung im Gesundheitswesen, in Medizin und Forschung.“

Genau dies mahnen wir mit unserem Schreiben an. Kinder benötigen die besondere Fürsorge auch des Gesetzgebers bei der Schaffung von Rahmenbedingungen für ihre Pflege, wenn sie krank sind.