Pressemappe 09.09.2021



Pressekonferenz: "Kinder und Jugendliche in der Pandemie: Wie schützen wir ihre Gesundheit?"

Am 9. September 2021 hatte die DGKJ zu einer Online-Pressekonferenz eingeladen, und mehr als 50 Journalist/-innen beteiligten sich aktiv an diesem Termin. Neben Prof. Dr. Jörg Dötsch von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und Prof. Dr. Tobias Tenenbaum von der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) waren Marion Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW), Dario Schramm von der Bundesschülerkonferenz und Brigitte Strahwald aus dem Autorenteam der S3-Leitlinie „Schulmaßnahmen“ im Gespräch.

Für viele Heranwachsende ist die COVID-19-Pandemie mittlerweile nicht mehr die Ausnahme, sondern Alltag: Hygiene- und Abstandsregeln, Tests, Inzidenzzahlen, Diskussionen über 3G-Stufen, Impfungen oder Quarantänebestimmungen bestimmen Lernen und Freizeit. Um Kinder und Jugendliche in dieser Zeit gut zu schützen, müssen Schulen geöffnet bleiben und Kinder zugleich vor Infektionen geschützt werden. Dazu braucht es medizinisches Fachwissen und klare Konzepte - aber auch einen Perspektivwechsel, war sich die Expert/-innenrunde einig, die zu dem Pressegespräch zusammenkam.

„Die Pandemie geht durch unsere gesamte Gesellschaft und betrifft alle, auch Kinder und Jugendliche. Erwachsene - nicht nur die in höherem Alter – haben eine erhebliche Krankheitslast zu tra­gen mit einer hohen Rate an schweren Komplikationen und auch Sterbefällen. Für die weitaus meisten Kinder sind die sekundären Krankheitsfolgen, nämlich die psychische Belastung durch Lockdown-Maßnahmen, ungleich belastender als die Erkrankung selbst“, betonte DGKJ-Präsident Prof. Dr. Jörg Dötsch.

Mit Bezug auf mittlerweile zahlreiche aussagekräftige Studien gab Prof. Dr. Tobias Tenenbaum (DGPI) einen Einblick in die Forschungslage zu Kindern und SARS-COV-2:

„Kinder haben das Pandemiegeschehen zu keiner Zeit so beeinflusst wie die Erwachsenen. Jetzt zeigt sich, dass die Impfung von Kindern und Jugendlichen für den Verlauf der vierten Infektionswelle von sekundärer Bedeutung, die Impfung von Erwachsenen allerdings entscheidend ist! - Die aktuell diskutierten, gesellschaftlich und politisch vorge­schlagenen Maßnahmen zu langfristigen Lockerungen auf Basis der Kategorien Geimpft/Genesen/Getestet passen nicht für Kinder. Sie haben sogar das Potenzial, diese Altersgruppe weiter zu diskriminieren. Daher müssen für sie Entscheidungskriterien entwickelt werden, die den spezifischen Bedürfnissen dieser Altersgruppe gerecht werden. Konkrete Maßnahmenbündel gibt es bereits, sie müssen konsequent umgesetzt werden.“

Für den sicheren Schulbetrieb schilderte Brigitte Strahwald aus dem Autorenteam der S3-Leitlinie geeignete Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen:

„Die wissenschaftlich fundierten und konsentierten Handlungsempfehlungen der S3-Leitlinie sollen einen möglichst sicheren, geregelten und kontinuierlichen Schulbetrieb in Pandemiezeiten ermöglichen. Dabei ist stets ein Maß­nahmenpaket notwendig: Maßnahmen müssen aufeinander abgestimmt umgesetzt werden, um zu wirken.“

Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, mahnte an, die Schulen nach eineinhalb Jahren Pandemie krisenfest zu machen:

„Kinder und Jugendliche haben einen guten Schutz verdient. Wir brauchen einen Schulterschluss zwischen Bund, Ländern und Kommunen, Lehrkräften, Ärzten, Virologen, Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie deren Interessenvertretungen, um die Schulen endlich krisenfest zu machen. Die Pandemie hat die Schwächen unserer Bildungssysteme gnadenlos offenbart. Die Kunst ist, das Recht auf Bildung sowie gute Arbeits- und Lernbedingungen und das Recht auf Gesundheit der Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern unter einen Hut zu bekommen. Klare Konzepte und einheitliche Richtlinien fördern die Transparenz von Entscheidungen und tragen zu deren Akzeptanz und damit zum Schulfrieden bei.“

Die Sicht von Schüler/-innen brachte Dario Schramm als Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz ein:

„Viele fühlen sich mit ihrer Situation allein und sehnen sich nach sozialen Kontakten. Die Probleme, die während des Lockdowns entstanden, bleiben bestehen. Das betrifft die eigene Gesundheit, aber auch belastende Situationen in der Familie bis hin zu häuslicher Gewalt. Zudem gibt es enorme schulische Ängste, etwa vor inhaltlichen Lücken in den Abschlussklassen. Viele Schüler und Jugendliche konnten über Monate keinen Sport machen, das hat körperliche Auswirkungen, betrifft aber auch die Stressverarbeitung etc. – Viele Jugendliche suchen Hilfs- und Therapieangebote, was extrem schwierig geworden ist. Das muss deutlich verbessert werden!“.

Materialien zu der Pressekonferenz finden Sie oben auf dieser Seite (PDF).