Kooperationstagung „Gemeinsam stark für Familien“

Rund 20 Prozent der Mädchen und Jungen in Deutschland erleiden schon in früher Kindheit aufgrund belastender Lebenslagen erhebliche Einschränkungen in ihrer Entwicklung. Um diese Situation zu verbessern, ist eine nachhaltige Zusammenarbeit von Fachkräften aus dem Gesundheitswesen und der Kinder- und Jugendhilfe notwendig.

„Gemeinsam stark für Familien“ hieß die diesem Thema gewidmete Kooperationstagung, zu der am 25. November 2016 die Parlamentarische Staatssekretär Caren Marks aus dem Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) und Regina Kraushaar, Abteilungsleiterin im Bundesgesundheitsministerium (BMG) sowie Vertreterinnen und Vertreter aus elf Institutionen und Verbänden in Berlin zusammenkamen. Eingeladen hatten das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) und die Bundesarbeitsgemeinschaft Gesundheit & Frühe Hilfen (BAG) mit dem Ziel, weitere Schritte für eine bessere Vernetzung der Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen und aus der Kinder- und Jugendhilfe anzugehen. 

Bei der zentralen Podiumsdiskussion wurde über Entwicklungspotentiale und konkrete Maßnahmen für die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Systemen debattiert. Dr. Karl-Josef Eßer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ und stellvertretender Vorsitzender der BAG Gesundheit & Frühe Hilfen hob die Schlüsselrolle der Kinderarztpraxen sowie der Geburts- und Kinderklinken für den Zugang zu den betroffenen Familien hervor.

Damit niemand abgehängt würde und die Hilfsangebote diejenigen erreichten, die sie am meisten brauchen, ist laut Eßer eine enge Vernetzung zwischen Gesundheitswesen und den Frühen Hilfen unverzichtbar. Diese Kooperation dürfe nicht an den Systemgrenzen und Bruchstellen der Sozialgesetzbücher scheitern. Es sei daher jetzt der richtige Zeitpunkt, die Einigkeit unter den Akteuren und Experten im Bereich der Frühen Hilfe zu nutzen „und mit dem Schwung des Bundestagswahlkampfes die nötige Reformen auf den Weg zu bringen“.

Weitere Diskussionspartner waren Dr. Christian Fricke, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ), Prof. Dr. Karin Böllert, Vorsitzende der AG Kinder- und Jugendhilfe, und Dr. Wolf Lütje, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG).

„Ich freue mich ganz besonders, dass durch die aktive Mitwirkung zentraler Akteure des Gesundheitswesens und der Kinder- und Jugendhilfe eine wachsende Verantwortungsgemeinschaft für Familien entsteht. Die gemeinsame Förderung der Tagung durch die beiden für diese Bereiche zuständigen Bundesministerien unterstreicht die wichtige Rolle beider Systeme“, betonte Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Die Kooperationstagung griff in Vorträgen, einer Podiumsdiskussion und sechs Workshops konkrete Anliegen auf.

Unter anderem ging es in den Workshops um die Vernetzung der Frühen Hilfen mit der ambulanten und der stationären medizinischen Versorgung sowie mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst, um möglichst frühzeitig Familien mit Kindern zu unterstützen. Es ging aber auch um die Gestaltung von Schnittstellen von Frühen Hilfen bei besonders schwerwiegenden Problemen, wenn eine Gefährdung für das Kind droht. Des Weiteren befasste sich ein Workshop mit der Entwicklung der interdisziplinären Leitlinie Kinderschutz. Eine Veröffentlichung in Form einer Tagungsdokumentation ist vorgesehen.

Die Veranstaltung fand als Kooperation von Institutionen und Verbänden des Gesundheitswesens und der Kinder- und Jugendhilfe statt. Die Partner sind:

  • Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ)
  • Berufsverband der Frauenärzte (BVF)
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Gesundheit & Frühe Hilfen
  • Bundesärztekammer (BÄK)
  • Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD)
  • Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ)
  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ)
  • Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ)
  • Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH)