Verabschiedung von Dr. Karl-Josef Eßer als DGKJ-Generalsekretär

Dr. Eßer (Mitte). Bild: DGKJ/P.Metzger
DGKJ-Vorstand mit Dr. Eßer. Bild: DGKJ/P.Metzger

„Träume können wahr werden!“ – mit diesem optimistischen Fazit verabschiedete sich Dr. Karl-Josef Eßer nach fast 6 Jahren aus seiner Tätigkeit als DGKJ-Generalsekretär. Über 70 Gäste waren am 15. Dezember der Einladung gefolgt, anlässlich der Verabschiedung Herrn Dr. Eßers vor der beeindruckenden Hauptstadtkulisse am Brandenburger Tor auch über den politischen Rahmen der Kindergesundheit zu diskutieren.

Neben Vertretern von Bundes- und Landesministerien, Ärztekammern, Elternorganisationen, Fachgesellschaften, Institutionen, Verbänden und Abgeordneten und Mitarbeitern aus dem Bundestag erschienen auch zahlreiche Mitstreiter aus der Kinder- und Jugendmedizin.

Der DGKJ-Präsident Prof. Dr. Ertan Mayatepek (seit dem 1.1.2018 turnusgemäß neuer Vizepräsident) stellte die Tätigkeit Herrn Dr. Eßers anhand thematischer Schwerpunkte vor, die dieser in der neu geschaffenen Positionen seit 2012 engagiert vertreten hatte. Auch zukünftig würde die Arbeit der Fachgesellschaft immer auch politisch sein müssen, z.B. wegen der notwendigen Absicherung einer flächendeckendeckenden Versorgung, dem Bedarf an zielgerichteter Forschung für Kindergesundheit, der existentiellen Nachwuchsförderung sowohl in Kliniken als auch in Praxen  (und in den Fachgremien!), und insgesamt wegen des Bedarfs an einem wachen Kinderbewusstsein - auch bei politischen Entscheidungen.

Die engagierte Einsatz des DGKJ-Generalsekretärs für diese Ziele war, so Prof. Mayatepek, die Basis für „Gewicht und Sichtbarkeit“, die die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin – und mit ihr das gesamte Fachgebiet - seither im politischen Berlin gewonnen hat.

In einer Podiumsdiskussion unter der Moderation von Dr. Sönke Siefert aus Hamburg  präzisierten Karin Knufmann-Happe vom Bundesministerium für Gesundheit, Dr. Annette Mund vom Kindernetzwerk e.V., die seit dem 1.1.2018 neue DGKJ-Präsidentin Prof. Dr. Ingeborg Krägeloh-Mann und Herr Dr. Eßer ihre jeweilige Sicht auf die aktuellen Aufgaben und Ziele einer politischen Arbeit für die Kindergesundheit.

Karin Knufmann-Happe begrüßte das Konzept der Sozialen Prävention, wie es etwa die DGKJ derzeit als Modellprojekt durchführt, um den Zugang der Familien in die Kinder- und Jugendhilfe zu erleichtern. Sie plädierte zudem dafür, die Ausbildung auch des medizinischen Umfelds stärker in den Blick zu nehmen, denn „Versorgung kann nur so gut sein wie die Ausbildung“. Entsprechend müsste sich das Berufsspektrum der Krankenpflege ggf. weiterentwickeln, denn speziell weitergebildete Pflegekräfte könnten die Ärzteschaft entlasten. Frau Knufmann-Happe sprach sich für die Ziele der Pflegeberufereform aus und auch dafür, die DRGs als Finanzierungsstruktur der pädiatrischen Versorgung beizubehalten, sei es doch ein noch immer lernendes System, das fortgeschrieben werden könne.

Prof. Krägeloh-Mann ging insbesondere auf die Nachwuchsthematik in der Kinder- und Jugendmedizin und in der pädiatrischen Forschung ein. Die DGKJ sei eine sehr junge und starke Fachgesellschaft: Mehr als 16.000 Mitglieder, etwa die Hälfte jünger als 45 Jahre. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen und rarer Studienplätze: Die Jungen „brennen dafür, für etwas Ideelles zu arbeiten!“, so die Erfahrung der neuen DGKJ-Präsidentin. Auf die Frage nach der Attraktivität einer Klinik als Arbeitgeber nannte sie die Unterstützung der jungen Kollegen durch ein gutes Teamwork, inhaltlichen Austausch und eine insgesamt kooperative Stimmung. Die Politik wiederum könne die Motivation für die Kinder- und Jugendmedizin sehr gut fördern über die Einrichtung eines Forschungszentrums für Kinder- und Jugendmedizin, für das sich die DGKJ so intensiv engagiert.

Dr. Annette Mund hielt ein Plädoyer für eine partnerschaftliche Medizin. Die überwiegende Mehrheit der Ärzte unterstütze mittlerweile die Selbsthilfe, die sich in der Vergangenheit oft gegen manches Klischee hatte behaupten müssen. Heute würden die Ansprüche an die Arbeit der zumeist ehrenamtlich getragenen Selbsthilfe steigen, so dass der Aspekt eines Qualitätsmanagements auch hier eine Rolle spielen würde. Insgesamt wünscht sich Frau Dr. Mund für diesen Bereich mehr Sichtbarkeit und eine gezielte Stärkung der Eltern und ihrer Gesundheitskompetenz.

Dr. Karl-Josef Eßer selbst wünschte sich eine Fortsetzung des Begonnenen, mit einem klaren Schwerpunkt: „Für mich ist Prävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe!“. Diese müsse von allen mitgetragen werden, um Kindern und Jugendlichen wirklich gute Chancen zu ermöglichen.

Mit einem Zeitsprung in das Jahr 2030 ließ der scheidende Generalsekretär seine Träume wahr werden: eine weiterhin politische DGKJ, die mit allen pädiatrischen Verbänden gut vernetzt arbeitet, eine gesicherte Kinderkrankenpflege, qualitätsgesicherte Standards für die gesamte Versorgung und Pflege von Kindern, ein Masterplan für die Aus- und Weiterbildung nach pädiatrischen Vorgaben, ein nationales Forschungszentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Arzneimittelsicherheit endlich auch für Kinder (die Einsicht in den fehlenden Fortschritt hierin bezeichnete Herr Dr. Eßer als die größte Niederlage seiner Tätigkeit) und eine erfolgreiche Präventionsstrategie, die schon vor der Geburt ansetzt und die auch die soziale Prävention in die Regelversorgung übernommen hat, und noch einige Meilensteine mehr.

Herr Dr. Eßer wird der DGKJ nicht verloren gehen: Er wird u.a. auch weiterhin Leiter des vom NRW-Gesundheitsministerium geförderten Modellprojektes „Soziale Prävention in der Kinder- und Jugendarztpraxis“ bleiben und hier seine Expertise einbringen.

Und alle Teilnehmenden wünschten ihm, was Frau Knufmann-Happe zusammenfasste: „Die Züge, die Sie auf die Schienen gesetzt haben, sollen weiterfahren!“

Dr. Sybille Lunau, DGKJ-Geschäftsstelle