Kandidaturen für die DGKJ-Vorstandswahl 2017

Auf der Mitgliederversammlung 2017 – sie findet statt am Freitag, 22. 09. 2017, um 16.30 Uhr auf der Jahrestagung in Köln – werden drei Vertreter/innen der pädiatrischen Subspezialitäten in den DGKJ-Vorstand gewählt. Diese drei Gewählten sowie der Sprecher des Konvents für fachliche Zusammenarbeit (der qua Amt Mitglied im Vorstand der DGKJ ist) kandidieren auf derselben Mitgliederversammlung zudem für die Wahl in den Geschäft sführenden Vorstand.
Zusätzlich wird der/die Vertreter/-in der Kinder- und Jugendärzte „in freier Praxis“ in den Vorstand gewählt.

Hier stellen sich alle Kandidaten vor:

Als Kandidat für die Vertretung der pädiatrischen Subspezialitäten: Prof. Dr. Reinhard Berner

Bild: DGKJ.

Nach dem Medizinstudium in Würzburg und Caen/Frankreich promovierte Reinhard Berner 1990 mit einer experimentellen Arbeit am Institut für Hygiene und Mikrobiologie Würzburg. Von 1989 bis 1991 setzte er an diesem Institut seine Tätigkeit zunächst als AiP, später als wissenschaftlicher Assistent fort, bevor er 1991 an die Universitätskinderklinik Freiburg zu Prof. Brandis wechselte, wo er neben der Facharztausbildung die Leitung des bakteriologischen Labors übernahm. Im Jahr 1997 legte er die Facharztprüfung ab und wurde im selben Jahr zum Klinischen Oberarzt ernannt.

Er erwarb die Fachkunde Laboruntersuchungen im Gebiet Kinderheilkunde, das Diplom Pädiatrischer Infektiologe der DGPI, die Zusatzbezeichnung Infektiologe, sowie das Zertifikat Kinder- und Jugendrheumatologe der GKJR und die Zusatzbezeichnung Kinderrheumatologie mit den entsprechenden Weiterbildungsermächtigungen. Im Jahr 2001 folgte die Habilitation, 2005 die Ernennung zum apl. Professor. Im Jahr 2003 wurde er zum leitenden Oberarzt am Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, 2004 bis 2005 zum kommissarischen ärztlichen Direktor und 2005 erneut zum geschäftsführenden leitenden Oberarzt und Stellvertreter des ärztlichen Direktors ernannt. Von 2007 bis 2011 war er Leiter der Sektion Pädiatrische Infektiologie, Immunologie und Vakzinologie und Vorstandsmitglied des Centrums für Chronische Immundefizienz (CCI) sowie des Zentrums für Infektionsmedizin am Universitätsklinikum Freiburg.

2012 folgte Prof. Berner dem Ruf auf die W3-Professur für Pädiatrie an der Technischen Universität Dresden und wurde Direktor der Klinik- und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. Dort leitet er die Infektionskommission und ist Sprecher des UniversitätsCentrums für Seltene Erkrankungen (USE) Dresden.

Prof. Berner ist berufenes Mitglied der Kommission für Arzneimittel für Kinder und Jugendliche (KAKJ) beim BfArM sowie Mitglied der Kommission für Arzneimittelsicherheit im Kindes- und Jugendalter (KASK) der DGKJ. Er ist im Herausgeberboard mehrerer wissenschaftlicher Fachzeitschriften sowie Mitherausgeber pädiatrischer Standardwerke, nicht zuletzt leitet er das Redaktionskollegium des DGPI-Handbuchs.

Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt sind Infektionskrankheiten bei Kindern, insbesondere invasive bakterielle Infektionen durch betahämolysierende Streptokokken, Staphylokokken und Meningokokken, deren klinische und molekulare Epidemiologie, die erregerspezifische Immunantwort, Impfpräventabilität sowie eine rationale Antibiotikatherapie in Klinik und Praxis. Weiterhin ist er involviert in das Innovationsfondsprojekt „TRANSLATE NAMSE“ zur besseren Versorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen mit besonderem Schwerpunkt auf Patienten mit autoinflammatorischen Erkrankungen.

„Zu den Hauptaufgaben eines Vertreters der Subspezialitäten im Vorstand zählt aus meiner Sicht, die Expertise der Subspezialitäten dem Vorstand und damit der Fachgesellschaft und den Kolleginnen und Kollegen für eine bestmögliche fachärztliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung zu stellen. Ein wesentliches Anliegen ist es weiterhin, die wissenschaftlichen Aktivitäten in der Pädiatrie zu stärken. Grundlegende Fortschritte in der Pädiatrie können nur mit der Wissenschaft erzielt werden.

Entscheidend für die Zukunft der Pädiatrie wird es sein, wissenschaftlichen Nachwuchs für die enorme Vielfalt und kreativen Möglichkeiten zu begeistern, die Forschung gerade in diesem Fach bietet. Dabei ist es nicht nur die grundlagenwissenschaftliche Erkenntnis selbst, sondern es muss nicht zuletzt darum gehen, diese neuen Erkenntnisse für die Praxis nutzbar zu machen und im Rahmen von Versorgungsforschung deren Umsetzbarkeit, aber auch deren tatsächlichen Nutzen zu überprüfen. In diesem Kontext stehen auch die Schwerpunkte Fort- und Weiterbildung, welche enorm wichtig sind, um die Kolleginnen und Kollegen in ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen und ihnen evidenzbasierte Empfehlungen an die Hand zu geben – für den Bereich der Infektionskrankheiten sehe ich darin eine wesentliche Aufgabe meiner Tätigkeit.

Politisch ist es unsere gemeinsame Aufgabe, die Interessen der Pädiatrie bzw. der Kinder in der Gesellschaft mit aller uns zur Verfügung stehenden Kraft zu vertreten. Dies kann nur gelingen, wenn alle mit Kinder- und Jugendmedizin befassten Fachgesellschaften, Subspezialitäten, Berufsverbände und Interessenvertretungen gemeinsam auftreten und sich gemeinsam Gehör verschaffen. Dafür will ich mich bestmöglich einsetzen.“

Als Kandidat für die Vertretung der pädiatrischen Subspezialitäten: Prof. Dr. Jörg Dötsch

Bild: DGKJ.

„Nach dem Medizinstudium in Mainz und Dublin und der Weiterbildung in Gießen und Erlangen habe ich im Jahre 2000 die Leitung der Kindernephrologie an der Uniklinik Erlangen übernommen, um 3 Jahre später zum leitenden Oberarzt ernannt zu werden. Seit 2010 bin ich für die Kinder- und Jugendklinik an der Uniklinik
Köln verantwortlich.

Besonders wichtige Ziele über die Arbeit in der Klinik hinaus sind für mich die enge sektorenübergreifende
Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen und klinisch tätigen Kolleginnen und Kollegen mit dem Anspruch, durch eine Bündelung unserer großen gemeinsamen Kräfte politisch das bestmögliche für die Kinder- und Jugendmedizin bewegen zu können. Hierzu bin ich seit vielen Jahren an einem intensiven Austausch mit den Kollegen im BVKJ beteiligt.

Wissenschaftspolitisch halte ich es für das wesentliche Ziel, für die Pädiatrie ein gemeinsames Forschungszentrum nur für die Kinder- und Jugendmedizin zugesprochen zu bekommen, das unter kollegialer Leitung eine selbstbewusste pädiatrische Forschungslandschaft in Deutschland gestaltet.

An beiden Zielen konnte ich in den vergangenen Jahren bei der Vorstandsarbeit als Kongresspräsident in der DGKJ mitwirken. Die Belange der Konventgesellschaft en sind mir in diesem Zusammenhang sehr vertraut, nicht zuletzt durch Aktivitäten im oder für die Vorstände der Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie, Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie und Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin.

Mit meiner Kandidatur möchte ich daher den Weg einer souveränen, klinisch und wissenschaftlich gut finanzierten Pädiatrie in gemeinsamem Zusammenwirken mit den Konventgesellschaften mitgestalten.“

Als Kandidat für die Vertretung der pädiatrischen Subspezialitäten: Prof. Dr. Tim Niehues

Bild: DGKJ.

Nach Studium in Lübeck, Dublin und Freiburg war Tim Niehues von 1991 bis 1993 Stipendiat am North Shore University Hospital der Cornell Universität New York. Von 1993 bis 2007 war er an der Universitäts-Kinderklinik Düsseldorf tätig, seit 2007 leitet er das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Helios Klinikum Krefeld. Er habilitierte 2002 und wurde dort 2008 zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Er führt die Schwerpunktbezeichnungen Rheumatologie, Hämatologie/Onkologie und die Zusatzbezeichnung Allergologie. Tim Niehues hat bereits in den Vorständen mehrerer pädiatrischer Fachgesellschaften (Rheumatologie [GKJR], HIV-Medizin [PAAD] und Immunologie [API]) gearbeitet und ist Sprecher des Arbeitskreises Pädiatrische Immunologie bei der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI).

„Zentrale Themen der Vorstandsarbeit sind aus meiner Sicht

1. Erhalt von Einheit und Vielfalt: Eine Differenzierung der Pädiatrie in Subspezialitäten ist sinnvoll, solange die Einheit nicht verloren geht. Der ganzheitliche Ansatz unseres Faches sollte durch den Vorstand in der Weiterbildung vermittelt werden.

2. Schutz vor Zentralismus: Eine übermäßige Zentralisierung durch Schließung kleiner Kinderkliniken und Kinderarztpraxen auf dem Land gefährdet eine wohnortnahe gute kinderärztliche Versorgung. Wenn eine spezialisierte Ausbildung nur noch an wenigen Zentren stattfindet, werden die z. T. jetzt schon limitierten Ausbildungskapazitäten noch weiter sinken.

3. Stärkung der Kinderkrankenpflege: Seitens des Vorstandes und aller Kinderärzte in Deutschland werden erhebliche Anstrengungen notwendig sein, um den Berufsstand der Kinderkrankenpflege sicherzustellen, da diese wesentlich zur Qualität der Pädiatrie beiträgt.

4. Transparenz und Qualitätssicherung: Die Förderung evidenzbasierten Vorgehens im klinischen Alltag in Form der Koordination von Leitlinien und gut geprüft en Stellungnahmen als Maßnahmen der Qualitätssicherung ist eine wesentliche Aufgabe des Vorstandes. Hierzu gehören auch das Bekenntnis zur Transparenz und zur wissenschaftlichen Unabhängigkeit.

5. Kindernotfallambulanzen: Um eine hochwertige 24 h-Versorgung zu gewährleisten, ist eine enge Zusammenarbeit des Vorstandes mit den niedergelassenen Kinderärzten notwendig. Mit den kassenärztlichen Vereinigungen und den Kostenträgern sind bundesweit einheitliche Lösungen für den steigenden Bedarf (z. B. in Form von Portalpraxen) zu erarbeiten.

6. Interdisziplinarität: Der Vorstand muss sich für eine gute Zusammenarbeit mit den angrenzenden Gebieten Chirurgie, Humangenetik, Radiologie, Psychiatrie usw. einsetzen. Dabei gilt es einerseits die Führung der Behandlung von Kindern und Jugendlichen (soweit sinnvoll) in der Hand des ganzheitlich ausgebildeten Kinderund Jugendarztes zu lassen, aber gleichzeitig die Kompetenzen der anderen Fachgebiete zu nutzen.

7. Finanzierung Kinderkrankenhäuser: Im DRG System findet sich eine mangelhafte Abbildung des (erheblichen) zeitlichen Mehraufwandes für sprechende Medizin mit Eltern und für Kinder mit komplexen Krankheitsbildern. Der Vorstand muss sich für eine angemessene Abbildung der pädiatrischen Leistungen zum Erhalt der Wirtschaftlichkeit einsetzen.“

Als Kandidat für die Vertretung der Kinder- und Jugendärzte „in freier Praxis“: Dr. Klaus Rodens

Bild: DGKJ.

Nach dem Medizinstudium an der Universität Ulm erhielt Klaus Rodens 1982 die Approbation. Der Promotion folgte 1983 ein Fellowship in Pädiatrischer Endokrinologie an der University of California in San Francisco. 2006 erlangte er die Zusatzbezeichnung Kinder-Endokrinologe und -Diabetologe. Die Weiterbildung zum Kinder- und Jugendarzt absolvierte Herr Rodens an der Universitätskinderklinik Ulm, Schwerpunkte dort: Endokrinologie, Sonografie (DEGUM-Ausbilder), Entwicklungsneurologie.

1993 ließ er sich als Vertragsarzt in einer Einzelpraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Langenau nieder, seit 2001 in Gemeinschaftspraxis. Von 2003 bis 2014 bekleidete er das Amt des Landesvorsitzenden des BVKJ in Württemberg bzw. Baden-Württemberg, seit 2007 ist er Vorstandsmitglied des BVKJ.

2005 wurde er erstmals zum Vorstandsmitglied der DGKJ gewählt. Er ist Mitherausgeber des im September 2017 erscheinenden ‚Praxishandbuchs der pädiatrischen Grundversorgung‘, in dem zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum die spezifischen Fragestellungen der primary care-Versorgung von Kindern und Jugendlichen adressiert werden.

„Wenn ich mich als Vertreter der etwa sechstausend niedergelassenen Pädiater mit abgeschlossener Facharztweiterbildung für einen neuen, dann fünften, Turnus für die Vorstandswahl bei der DGKJ in Köln zur Verfügung stelle, ist das die logische Konsequenz aus der guten Arbeit der letzten Jahre und ein Votum für das faire und konstruktive Miteinander der verschiedenen ambulanten und stationären Sektoren qualifizierter kinder- und jugendmedizinischer Betreuung in der Zukunft.

Stärke beziehen wir als Fachgruppe nach innen aus dem gemeinsamen Selbstverständnis als Kinder- und Jugendärzte. Und nach außen können wir mit diesem Pfund für unsere Interessen selbstbewusst und erfolgreich werben.“