Personalia

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Nachruf auf Prof. Dr. Horst Köditz

14.06.2017


Prof. Dr. Köditz (Bild:privat)

Herr Prof. Dr. Horst Köditz ist am 16. April 2017 nach mehrjähriger schwerer Erkrankung im 86. Lebensjahr verstorben. Er hinterlässt seine Ehefrau Ute, zwei Kinder und drei Enkelkinder.

Horst Köditz war als Kinderarzt und Hochschullehrer in besonderer Weise Vorbild. Sein persönliches Mitfühlen mit Patienten und deren Familien, seine väterliche Autorität und die umfassende Unterstützung seiner Mitarbeiter sind auch mehr als 20 Jahre nach seiner Emeritierung allen Weggefährten in Erinnerung. Besonders ist seine Fähigkeit hervorzuheben, auch in schwierigen Situationen Lösungswege aufzuzeigen und durch seine hohe soziale Kompetenz alle Beteiligten positiv zu motivieren.

Horst Köditz absolvierte das Studium der Humanmedizin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, an der er promovierte und mit 37 Jahren habilitierte. 1973 wurde er zum Ordentlichen Professor für Kinderheilkunde und Direktor der Kinderklinik an der Medizinischen Akademie Magdeburg berufen. Unter seiner 23 Jahre währenden Leitung wurden in kollegialer Zusammenarbeit alle Teilgebiete des Faches Kinderheilkunde gefördert. Neue Fachabteilungen für Pädiatrische Hämatologie/Onkologie und für Humangenetik wurden etabliert sowie innovative diagnostische Methoden der Kinderradiologie/Ultraschalldiagnostik und Kardiologie eingeführt. Acht Mitarbeiter haben unter seiner Leitung die Habilitation erfolgreich abgeschlossen. Auch in der damaligen DDR besaß der parteilose Horst Köditz hohe Anerkennung unter den ärztlichen Kollegen. Sein wissenschaftliches Arbeitsgebiet betraf die Antibiotikatherapie und Infektionserkrankungen im Vorschulalter.   

1986 bis 1990 leitete er die Arbeitsgemeinschaft ‚Infektiologie‘ der Gesellschaft für Pädiatrie der DDR und war 1991/1992 Präsident der ‚European Society for Paediatric Infectious Diseases, ESPID‘. 1987 wurde er in die ‚Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina‘ aufgenommen und 1995 zum medizinischen Adjunkten dieser weltweit renommierten wissenschaftlichen Gesellschaft gewählt. 

Sein hohes fachliches und persönliches Ansehen führte nach der friedlichen Revolution im Herbst 1989 dazu, dass Prof. Horst Köditz in Erfurt auf einer turbulenten Mitgliederversammlung im Januar 1990 in freier geheimer Wahl zum Vorsitzenden der „Gesellschaft für Pädiatrie der DDR“ gewählt wurde. Unter seiner Leitung und gemeinsam mit leitenden Kinderärzten aus allen Teilen Deutschlands führte er zwischen 1990 und 1993 in der Integrationskommission der ‚Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde‘ beide wissenschaftlichen Fachgesellschaften zusammen. 

Seine Anerkennung innerhalb des Klinikums der damaligen Medizinischen Akademie Magdeburg wurde nach der politischen Wende deutlich, als Prof. Köditz von 1990 bis 1992 zu ihrem Rektor bestellt wurde. In dieser Funktion wurden wichtige Strukturentscheidungen getroffen, die zum Zusammenschluss der Technischen und Pädagogischen Hochschulen mit der Medizinischen Akademie führten. Als erster Prorektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und Geschäftsführender Direktor des neu gegründeten Zentrums für Kinderheilkunde zählt Horst Köditz zu den Gründungsvätern einer modernen Universität in Magdeburg, die nahezu alle Wissenschaftsgebiete vertritt.

Auch nach seinem aktiven Berufsleben hat Prof. Köditz sein Fachwissen und seine besondere Menschenführung in der Ärztekammer Sachsen-Anhalt für die Patientenberatung zur Verfügung gestellt. Jeder hat sein diplomatisches Geschick innerhalb und außerhalb des geschützten Klinikbereiches bewundert.   

Die früheren Mitarbeiter und Schüler sind Herrn Prof. Köditz in vieler Hinsicht dankbar und werden sein menschliches und fachliches Vorbild in ehrender Erinnerung behalten.

Prof. Dr. Klaus Mohnike, Magdeburg

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