Personalia

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Nachruf auf Prof. Dr. Willi Heine

14.06.2017


Prof. Dr. Heine (Bild:privat)

Prof. Dr. Willi Heine, geboren am 25. Dezember 1929 in Wittenberge, ehemaliger geschäftsführender Direktor der Universitäts-Kinderklinik Rostock, ist am 19. März 2017 nach kurzer, aggressiv verlaufender Krebserkrankung im 88. Lebensjahr verstorben.

Willi Heine studierte von 1949 bis zum Staatsexamen 1954 Humanmedizin an der Universität Rostock. Nach seiner Promotion 1956 wechselte er für zwei Jahre als wissenschaftlicher Assistent an das Institut für Physiologische Chemie der Martin-Luther-Universität Halle. 1961 erwarb er die Facharztanerkennung an der Rostocker Universitäts-Kinderklinik und wurde 1963 zum Oberarzt ernannt. Mit seiner Habilitation gelang ihm 1965 der tierexperimentelle Nachweis der teratogenen Wirkungen des Contergans – er konnte die schweren Extremitätenfehlbildungen reproduzieren, was im internationalen Schrifttum Aufmerksamkeit auslöste. 1967 wurde er zum Hochschuldozenten, 1975 zum außerordentlichen Professor für Kinderheilkunde ernannt.

Willi Heine war eine außergewöhnliche Arzt- und Wissenschaftlerpersönlichkeit. Aus seiner Feder stammen mehr als 400 Originalarbeiten und zahlreiche Monographien, Lehrbücher und Buchkapitel. Er hatte unzählige Einladungen zu Vortragen auf Kongressen und Symposien nach (West-)Deutschland sowie in viele Länder Ost- und West-Europas und in die USA. Der Einsatz von stabilen Isotopen in der klinischen Forschung, insbesondere in der Ernährungsforschung und Erforschung des intestinalen Mikrobioms gehen auf grundlegende Arbeiten von ihm zurück, die zunehmend internationale Anerkennung fanden.

Von dem engagierten Hochschullehrer und berufenen Kinderarzt konnte man viel lernen – nicht nur in der klinischen Beurteilung eines kranken Säuglings, sondern auch, wie man als (Kinder-)Arzt zu fungieren hatte – sich immer wieder zu fragen, warum ein Symptom oder eine Krankheit auftritt und wie sie zu erklären sind. Klinische Forschung, generiert aus den Fragestellungen am Krankenbett – das war sein Credo. Er war ein großes Vorbild für alle Kolleginnen und Kollegen der Klinik. Nachdem Willi Heine im Spätsommer 1989 noch als DDR-Bürger ein Sabbatical auf Einladung des Baylor College of Medicine in Houston (Texas, USA) antrat, kehrte er ein knappes Jahr später – de facto als Bundesbürger – in das kurz vor der Vereinigung stehende Deutschland zurück. Es eröffneten sich neue Möglichkeiten, die er nutzen konnte. Eine jahrelange Saat konnte nun weitere Fruchte tragen, und er konnte die größte „Ernte“ seines wissenschaftlichen Lebens einfahren – die Bewilligung eines DFG-Projekts für die von ihm inaugurierte Arbeitsgruppe „Stabile Isotope“ im Umfang von einer Million DM.

Nachdem das Land Mecklenburg-Vorpommern sich ein Landeshochschulgesetz gegeben hatte, wurde Willi Heine 1993 mit einer C4-Professur für Kinderheilkunde betraut – die DDR hatte ihm trotz konkurrenzloser wissenschaftlicher Leistungen eine ordentliche Professur mit Lehrstuhl verwehrt. 1995 übernahm Prof. Dr. Willi Heine bis zu seiner Emeritierung 1996 die geschäftsführende Leitung der Universitäts-Kinderklinik Rostock. Die nach der Wende zunehmend einsetzende Betonung ökonomischer Aspekte in der (Kinder-) Medizin beobachtete er skeptisch. Mit Begriffen wie Privatsprechstunde und Liquidation konnte er nichts anfangen – monetäre Überlegungen in der Krankenversorgung – zumal zur Optimierung des eigenen Einkommens waren ihm suspekt, er lehnte sie ab. Schwer vorzustellen, dass sich Willi Heine für die heutige Welt der Medizin, dominiert von termini technici wie „DRG“ oder „Fallpauschale“ hatte begeistern können.

1999 wurde ihm als erstem Arzt aus den sog. neuen Bundesländern die Paracelsus-Medaille der Deutschen Ärzteschaft für sein wissenschaftliches Lebenswerk verliehen. Unter dem Namen „Willi-Heine-Preis“ würdigt die Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) regelmäßig herausgehobene Leistungen in der pädiatrischen Ernährungsforschung.

Die zahlreichen Weggefährten, einschließlich der ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universitätskinder- und Jugendklinik Rostock, werden die Persönlichkeit Willi Heines und sein überaus erfolgreiches Wirken für die Kindermedizin über den Tag hinaus in ehrender Erinnerung bewahren.

Prof. Dr. Michael Radke, Rostock

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