Die Stiftung für internationale Kindergesundheit der DGKJ



Die Stiftung für internationale Kindergesundheit der DGKJ

(vormals "Hermann-Mai-Stiftung")

Im Jahr 1983 gründete die DGKJ die Hermann-Mai-Stift ung mit dem Ziel, Ärzte, vor allem aus der Bundesrepublik Deutschland, auf Tätigkeiten zur Förderung der Gesundheit von Kindern in der Dritten Welt vorzubereiten und Projekten zu unterstützen, die der unmittelbaren Prophylaxe und Therapie häufiger Gesundheitsstörungen in armen Ländern und der Ausbildung einheimischer Ärzte und Gesundheitsarbeiter dienen. Ausgangspunkt war der Bedarf an pädiatrischer Fortbildung für eine Tätigkeit in der ‚Entwicklungshilfe‘, denn pädiatrische Weiterbildungsstellen waren knapp und Kurzzeit-Mitarbeit musste extern finanziert werden.
Die Stiftung wurde von der DGKJ mit einem Stiftungskapital von 50.000 DM ausgestattet. Die Universitätskinderkliniken in Tübingen und Gießen, Heidelberg und Hannover waren involviert: Insgesamt wurden 31 Ärztinnen und Ärzte zwischen 1983 und 1997 unterstützt, um den pädiatrischen Stationsalltag, insbesondere Neonatologie und Infektionsstation, die Notfallversorgung und pädiatrische Techniken, wie die Untersuchung des Kindes, Venen- und Lumbalpunktion, kennen zu lernen.
Ab 1997 trat die Unterstützung von Kindergesundheitsprojekten in den Vordergrund: Die meisten der 54 Förderungen gingen an Projekte, die an Orten implementiert wurden, wo sie Studien- oder Fortbildungsprojekte deutscher Tropenpädiaterinnen und -pädiater ergänzten.

Die Tabelle gibt eine grobe Übersicht über diese Projekte.

  Ausgewählte Förderungen der Stiftung, 1983–2014  
  Ausbildung von Gesundheitspromotoren in La Paz Bolivien
  Ausbildung von Promotoren zur Stillberatung in Entbindungskliniken, La Paz Bolivien
  Improving Quality of life and health program for children, Tucano City Brasilien
  Unterstützung einer Hebamme in Glanglé Elfenbeinküste
  Schistosomiasis-Behandlung von Schulkindern Ghana
  „The Health of the Child in the Community“ – Seminar,Tamale Ghana
  Unterstützung Soeur M. de la Croix, Port au Prince Haiti
  Mzuzu-Universität/Pädiatrie-Upgrading Malawi
  Basisgesundheits-Ausbildungsprojekt APROSAPAN in Nueva Guinea Nicaragua
  Ernährungsprojekt an der Escuela Jan Amos Nicaragua
  Wassertankprojekt Comenius Schule, Nueva Guinea Nicaragua
  Arbeit der Kinderabteilung im Krankenhaus Maiduguri Nigeria
  Unterstützung der Kinderabteilung, State Specialist Hospital Maiduguri Nigeria
  Revolving Drug Fund für Kinder mit Sichelzellanämie in Maiduguri Nigeria
  Arbeit eines Gesundheitspostens in Cusco Peru
  Stationäre Behandlung von Kindern aus Clinetown, Freetown Sierra Leone
  Paediatric Continuing Education Programm; KCMC, Moshi Tansania
  Sauerstoff konzentratoren, Haydom-Lutheran Hospital Tansania
  Reparatur EEG-Gerät, KCMC, Moshi Tansania
  Zusatzschallkopf, portables Ultraschallgerät, Bugando Hill Hospital, Mwanza Tansania
  Pädiatrie – Fortbildung, ATP e. V. mit dem KCMC, Moshi Tanzania
  Gerät für Hörscreening, Paediatrie-Department, KCMC, Moshi Tanzania
  Community Based Epilepsy Care im Kabarole-Distrikt Uganda
  Bugaya Subcounty Community Nutrition Project Uganda
  Projekt gegen traditionelle Zahn-Extraktion bei Säuglingen, Gulu-Universität Uganda
  Rural Health Feeding Program, Gesundheitsberatung & Impfprogramm, Hué Vietnam
  Verbesserung der Versorgung, Univ.-Kinderklinik Hué Vietnam
  Primary Health Care Projekt für Kinder unter 5 Jahren, Hué Vietnam
  Unterstützung für Kinder nach der Flutkatastrophe in Hué Vietnam
  Nutritional Recovery, Huong Ho Village, Hué Vietnam

Eine weitere Entwicklung war die fachliche Förderung von Kolleginnen und Kollegen aus Entwicklungsländern, zum Beispiel eines Mitarbeiters aus dem Caritas-Kinderkrankenhaus in Bethlehem, der einen Fortbildungsaufenthalt an einer kinderneurologischen Klinik in Deutschland absolvierte.

Finanziell gelang es dem langjährigen Schatzmeister Rolf Huenges, das Stift ungskapital von 50.000 DM erfolgreich anzulegen, sodass es trotz der starken Schwankungen am Kapitalmarkt bis heute stabil geblieben ist.

Strukturell hat die Stiftung neben dem Vorstand aus Vorsitzender/-dem und Schrift führer/-in den Vorstand der Gesellschaft für Tropenpädiatrie e. V. als Stiftungsbeirat und einen kleinen Kreis engagierter und erfahrener Pädiater als Stiftungsrat.

Vorsitzende

1983–1985 Prof. Jürgen Bierich †

1985–2000 Prof. Helmut Wolf †

2000 – heute Prof. Michael Krawinkel

Schriftführer

1983–2012 Dr. Rolf Huenges

2012 – heute Dr. Benno Kretzschmar

Beirat

2016 – heute Vorstand der Gesellschaft für Tropenpädiatrie und Internationale Kindergesundheit (GTP e. V.)

 
Stiftungsrat

2011 – heute Prof. Peter Hoyer, Prof. Hans-Iko Huppertz und Prof. Kurt Ullrich

Förderanträge

Förderanträge an die Stiftung richten Sie bitte an den Schriftführer
Dr.med. Benno Kretzschmar
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin „Dr. Siegfried Wolff “; Mühlhäuserstr. 95, 99817 Eisenach. Fax: 0049 3691 – 6987260. kretzschmar(at)georgklinikum.de

oder den Vorsitzenden
Prof. Dr.med. Michael B. Krawinkel
Institut für Ernährungswissenschaft, Justus-Liebig-Universität; Wilhelmstr. 20, 35392 Gießen. Fax: 0049 641 – 9939039. michael.krawinkel(at)uni-giessen.de

Helfen Sie uns zu helfen!

Um die Förderung möglichst vieler Anträge zu ermöglichen, werden Spenden begrüßt.

Konto: Stiftung internationale Kindergesundheit
Kontonummer 12029831, Wartburg Sparkasse Eisenach, BLZ
84055050, IBAN DE45 8405 5050 0012 0298 31, BIC HELADEF1WAK.

Warum jetzt die Änderung des Namens der Stiftung?

Der Name der Stiftung wurde bei ihrer Gründung gewählt, weil sich Prof. Hermann Mai vor und nach seiner Emeritierung als Leiter der Universitätskinderklinik Münster persönlich stark für das Krankenhaus von Albert Schweitzer in Lambarene/Gabun eingesetzt und dort auch gearbeitet hatte.
Nachdem Einzelne schon früher auf eine nationalsozialistische Verstrickung des Namensgebers der Stift ung, Hermann Mai, hingewiesen hatten, wurde diese Problematik seit 2012 intensiver und systematisch bearbeitet, fachlich von Herrn Privatdozent Dr. Sascha Topp, Berlin/Gießen, mit Unterstützung durch die Stift ung selbst. Sascha Topp veröff entlichte die Ergebnisse seiner Studien 2016 und dokumentierte mit zahlreichen Details, dass Mai nicht nur überzeugter Nationalsozialist war, der u. a. zumindest Kandidat für den Sicherheitsdienst der SS gewesen ist. Hermann Mai betätigte sich freiwillig als Beisitzer am Erbgesundheitsgericht München, wo er an Urteilen zur Zwangssterilisation von mindestens 12 Frauen und Männern beteiligt war. Unter den sogenannten Urteilsgründen wurde dort u. a. ‚Widerspruchsgeist‘ angeführt [1].

Diese Erkenntnisse führten dazu, dass im Jahr 2016/2017 ein Diskussionsprozess zunächst in der Gesellschaft für Tropenpädiatrie und Internationale Kindergesundheit und dann in der Historischen Kommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin begann, der schließlich in der Umbenennung der Stiftung zum Abschluss kam. Die Satzung der Stiftung für internationale Kindergesundheit der DGKJ (vormals Hermann-Mai-Stift ung) beginnt jetzt mit der Präambel:

„Die DGKJ hat im Jahre 1983 eine Stift ung gegründet, die darauf abzielt, die Kindergesundheitspfl ege in Entwicklungsländern zu unterstützen. Sie hat diese Stift ung nach dem Kinderarzt Prof. Dr. Hermann Mai benannt, der auch nach seiner Emeritierung als Direktor der Universitätskinderklinik in Münster/Westf. zeitweise mit Albert Schweitzer in Lambarene/Gabun zusammen gearbeitet hat, und dem die Tropenpädiatrie ein besonderes Anliegen war. Im Jahr 2017 wurde die Stift ung umbenannt, nachdem neuere Untersuchungen gezeigt haben, dass Hermann Mai die NS-Ideologie aktiv unterstützt hat. Insbesondere die aktive Rolle Hermann Mais in Verfahren zur Zwangssterilisierung von Frauen und Männern muss als ärztliches
Fehlverhalten gewertet und auch in Erinnerung gehalten werden.“

Welche Erwartungen verknüpfen sich mit der Stiftung für internationale Kindergesundheit der DGKJ (vormals Hermann-Mai-Stiftung)?

Zunächst sind die satzungsmäßigen Ziele neu formuliert als

  1. Fachliche Qualifizierung von Kinderärztinnen und Kinderärzten für Tätigkeiten zur Förderung der Gesundheit von Kindern in Ländern mit eng begrenzten finanziellen Ressourcen;
  2. Unterstützung von Projekten, die der unmittelbaren Prophylaxe und Therapie häufi ger Gesundheitsstörungen in armen Ländern und der Ausbildung einheimischer Ärzte und Gesundheitsarbeiter dienen;
  3. Vergabe von finanziellen Zuwendungen an gemeinnützige Einrichtungen und Organisationen zur Förderung der Kindergesundheit und der Kinderheilkunde in Entwicklungsländern unter den Voraussetzungen des § 58 Nr. 1 der Abgabenordnung.

In diesem Rahmen wird die Stiftung tätig bleiben, Anträge auf Förderung prüfen und im Rahmen der vorhandenen finanziellen Mittel bewilligen.

Wie können Sie sich engagieren?

Die Stiftung vergibt Mittel in der Regel auf Vorschlag von Expertinnen oder Experten oder Kinderärztinnen und Kinderärzten, die humanitäre Hilfe leisten oder sich in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren. Auch Anträge von einheimischen Expertinnen oder Experten sind möglich.
Da die Stiftung nur über begrenzte Fördermittel verfügt, wird sie die Unterstützung von Projekten bevorzugen, bei denen durch einen mittleren Förderbetrag von circa 2500,– Euro ein Effekt für Kinder vor Ort erreicht werden kann. Beispiele, für solche Förderungen sind in der Tabelle zusammengefasst. Sie zeigen das breite Spektrum der geförderten Projekte und sollen Sie ermutigen, auf die Stiftung entsprechend zuzugehen. Nicht förderfähig sind Projekte und Programme, die von anderen Spenden-basiert arbeitenden Organisationen durchgeführt werden.
Mit der Annahme von Fördermitteln verpflichtet sich die Antragssteller, über die satzungsgemäße, sachlich und rechnerisch korrekte Verwendung der Mittel Rechenschaft abzulegen. Geförderte Projekte sollen auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Tropenpädiatrie und internationale Kindergesundheit e. V. vorgestellt werden.

Prof. Dr. Michael B. Krawinkel, Gießen

Fußnoten

1. Topp S (2016) „Und jetzt nach Lambarene“ Hermann Mai – Direktor der Universitäts-Kinderklinik Mü nster (1943) 1950–1970. Monatsschr Kinderheilkd S1:164:34–40