Die Junge DGKJ im Gespräch - Rückblick



"Die Junge DGKJ im Gespräch..." - Rückblick

 

Hier könnt ihr die Zusammenfassungen unserer letzten Gespräche lesen.

Es startete mit einer Diskussion zum Thema Überleben im Stationsalltag, gab einen Abstecher ins Studenten-Mentoring und zuletzt wurde angeregt über das Thema Work-Life-Balance gesprochen. Vielleicht seid ihr ja beim nächsten Talk-abend selbst dabei?

Wir freuen uns auf euch!

Eure Junge DGKJ

 

 

26.01.22 "Work-Life-Balance" - ein Wunschtraum?

Von Kaffee und anderen Weisheiten

Am 26. Januar fand unser dritter Talk-Abend „Die Junge DGKJ im Gespräch“ statt – dieses Mal zum Thema „Work-Life-Balance – ein Wunschtraum?!“ mit Frau Professor Felderhoff-Müser, Direktorin der Klinik für Kinderheilkunde I des Uniklinikums Essen und Vizepräsidentin der DGKJ. Die 150 Anmeldungen zu diesem Termin zeigten uns, dass dieses Thema viele junge Kolleg*innen brennend interessiert.

Wie kann ich als Mutter in Teilzeit als Oberärztin arbeiten? Ich möchte trotz meiner Weiterbildung in der Pädiatrie an einem Haus der Maximalversorgung gerne weiterhin in einem Orchester mitspielen und zuverlässig an Proben und Konzerten teilnehmen – ist das möglich? Auch wenn wir als Ärzt*innen keinen „nine-to-five-Job“ haben, wünschen wir uns Wertschätzung, Planbarkeit und Sicherheit für unseren Beruf. Wir möchten eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung gewährleisten, aber nicht auf Kosten unserer psychischen und physischen Gesundheit. Im Rahmen unseres eineinhalbstündigen Formats haben wir mit Frau Prof. Felderhoff-Müser besprochen, wie ihr Lebensweg war, ob sich bei ihr Work und Life die Balance gehalten haben und wenn ja, wie das gelingen kann.

 

Prof. Dr. Ursula Felderhoff-Müser
„Es ist ja, vor allem, wenn man in die Forschung will, auch wurscht, ob man jetzt nach fünf Jahren oder nach sieben Jahren die Facharztprüfung macht.“

Wie sehr sich die Zeiten ändern, beschrieb Frau Professor Felderhoff-Müser eindrücklich, als wir sie baten, von ihrer Karriere zu erzählen: Während wir heute einen Mangel an Ärzt*innen haben und oft zwischen mehreren Stellen auswählen können, begann sie ihre berufliche Laufbahn zunächst als Ärztin im Praktikum in der Inneren Medizin, bevor sie dann in die Pädiatrie wechseln konnte. Nach zwei Jahren in Heidelberg, wo sie auch studiert hatte, ging sie dann nach Berlin ans Klinikum der Freien Universität („ich wollte nochmal in die Welt“). Zu diesem Zeitpunkt habe sie beschlossen, eine gute Pädiaterin werden zu wollen. Mit der Wissenschaft hatte sie nach einer schlecht betreuten Doktorarbeit erstmal abgeschlossen: „Ich habe viele Dienste gemacht, damit die Chefs mich nicht finden für irgendein Forschungsprojekt“. Der Zufall habe es dann aber so gewollt, dass sie nach Ende ihrer Facharztausbildung einen Mentor fand, der sie in die Arbeitsgruppe zur Forschung am Gehirn von Neugeborenen integrierte. In dieser Zeit habe sie sich dann eingestanden, dass Wissenschaft vielleicht doch Spaß mache, und ging für einige Zeit nach England, wo sie ihre Forschungskarriere in der Neonatologie begann - obwohl sie „nichts vorzuweisen hatte, außer, dass ich im Weg stand und mittelprächtig Englisch konnte“. Das erste gekühlte asphyktische Baby und engagierte Professoren hätten sie dann mitgerissen, sodass sie auch später, als sie wieder zurück in Berlin war, trotz des Schichtdienstes in der Neonatologie weiter forschte – dabei habe sie auch sehr viel Freizeit im Labor verbracht, wurde Oberärztin und schrieb während ihrer ersten Elternzeit ihre Habilitationsschrift. Als sie aufgefordert wurde, sich auf die ausgeschriebene Stelle als Klinikdirektorin in Essen zu bewerben, tat sie dies (auf Anraten ihres Ehemannes) und folgte 2008 dem Ruf ins Ruhrgebiet.

Dennoch – obwohl ihr Lebenslauf sich nun ziemlich geradlinig liest, betonte sie im Verlauf des Abends immer wieder, dass er dies gar nicht sei. Sie sei Pädiaterin geworden, weil sie helfen wollte (ursprünglich habe sie in der Entwicklungshilfe arbeiten wollen), sei an der Uni geblieben, weil es bekanntes Territorium gewesen sei und habe sich nicht niedergelassen, weil sie Sorge vor der finanziellen Verantwortung einer eigenen Praxis gehabt habe.

„Ich bekam als Oberärztin meine erste Tochter, was Anfang der 2000er an der Charité einem mittelprächtigen Skandal gleichkam.“

Ihre Motivation sei ihre Familie (neben dem morgendlichen Kaffee, geliefert vom Ehemann) – diese habe sie immer, auch nach stressigen Tagen, ablenken und erden können. Wenn sie nach einem stressigen Tag nach Hause gekommen sei, habe sie immer ganz schnell umschalten müssen und so ganz viel von dem „ärgerlichen Gedöns“ vergessen können. Sie sagt, dass sie das, was sie jetzt mache, ohne ihre Familie nicht geschafft hätte – ohne diese „wäre ich irgendwann vielleicht mal übergeschnappt oder so“.

Sie selbst sei nach ihrer ersten Elternzeit wieder Vollzeit eingestiegen, an ihrer Klinik versuche sie nun aber, Teilzeitstellen zu ermöglichen. Das ist vor allem in Ambulanzen und Spezialsprechstunden nicht nur gut machbar, sondern bringt auch einen echten Mehrwert für alle Beteiligten. So habe sie zum Beispiel durch mehr Köpfe bei gleicher Stellenanzahl mehr Flexibilität, wenn es zu Ausfällen komme. Ihre Erfahrungen mit diesem Modell seien so gut, dass sie am liebsten mehr Mitarbeitende in Teilzeit hätte.

Auch in anderen Bereichen, zum Beispiel im Labor, versuche sie darauf zu achten, wichtige Besprechungen und Termine in die Kernarbeitszeit zu legen damit die Arbeitstage ihrer Mitarbeitenden ein geplantes Ende hätten.

„Das persönliche Leben, das ist das allerwichtigste, und ich würde niemandem empfehlen, ein vernünftiges Privatleben der Karriere zu opfern.“

Uns Ärzt*innen in Weiterbildung rät sie dazu, die Strukturen in der Klinik aktiv mitzugestalten – wie soll das Dienstmodell aussehen, welche Rotationen gibt es, wie können wir Teilzeit und Forschung in unseren Arbeitsalltag integrieren? Man dürfe auch mal etwas fordern und Vorschläge und Ideen einbringen. Dabei müsse man jedoch auch einsehen, dass es die eierlegende Wollmilchsau nicht gebe und letztlich müsse sich jede*r von uns selber eingestehen, was sie oder er eigentlich wolle. Paaren mit Kindern, in denen beide Partner in anspruchsvollen Berufen arbeiten, rät sie, sich Entlastung zu suchen, auch wenn dies Geld koste: „das schafft sehr viel Freiraum“.

Ihr persönlich habe zwar der Auslandsaufenthalt und die Arbeit an verschiedenen Kliniken sehr geholfen, aber auch so etwas sollte nicht auf Teufel komm raus forciert werden, wenn ansonsten die privaten Lebensumstände gut passten.

Für sie selbst bedeute Work-Life Balance aber nicht, dass sie arbeite und dann etwas ganz Tolles tue, sondern viel mehr, dass auch bei der Arbeit leben könne und sich von ihr nicht stressen lasse. Dennoch habe sie immer versucht, auch noch neben der Arbeit Freundschaften zu pflegen, was aber, das müsse sie ganz ehrlich sagen, manchmal auch nicht so gut geklappt habe: „Ich bin sicherlich auch nicht immer glücklich“.

Was sie mache, wenn morgens der Kaffee nicht helfe? Dann denke sie, getreu dem Ruhrgebietsmotto, „woanders is‘ auch scheiße“. :)

 

Janna-Lina Kerth und Iris Eckhardt


20.10.2021 "Mini-Mentoring für Studierende"

46 Teilnehmende trafen sich am Mittwoch, den 20.10.2021 von 19.00 - 20.30 Uhr um Tipps zur Vorbereitung auf das Fach Kinder- und Jugendmedizin, zu Bewerbung und Bewerbungsgespräch, aber auch Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu bekommen.

In unserer zweiten Ausgabe der neuen Talkrunde „Die Junge DGKJ im Gespräch…“ beschäftigten wir uns mit der Frage, wie man sich bereits während seines Studiums bestmöglich auf eine Karriere in der Kinder- und Jugendmedizin vorbereiten kann. Dieses Mal richtete sich der Themenabend ausschließlich an Studierende, die sich auch in großer Zahl anmeldeten und ihre brennendsten Fragen schon im Vorfeld einschicken konnten.

Als Gesprächspartnerin stand uns Frau Prof. Krägeloh-Mann, Vizepräsidentin der DGKJ und ehemalige ärztliche Leiterin der Kinderklinik Tübingen, Rede und Antwort. Sie gab während des sehr kurzweiligen Abends interessante Einblicke, was aus ihrer Sicht einen guten Bewerber/eine gute Bewerberin für eine Stelle in der Kinder- und Jugendmedizin ausmacht.

Ganz zentral und immer wiederkehrend war hier der Begriff der Authentizität.

Sowohl während des Vorstellungsgespräches als auch in der täglichen Arbeit als Kinderarzt/Kinderärztin ist es entscheidend, sich unverfälscht zu präsentieren. Das beginnt bei der persönlichen Note im Bewerbungsanschreiben und endet beim Auftreten im Vorstellungsgespräch. Hier zählt oft der erste Eindruck. Also vielleicht einfach die Bewerbungsunterlagen persönlich im Sekretariat abgeben! Die alten Hasen unter uns wissen, wie wichtig ein guter Draht zur Chefarzt-Sekretärin oft sein kann =)

Frau Prof. Krägeloh-Mann ermutigte die Studierenden während des Vorstellungsgespräches Initiative zu ergreifen, Fragen zu stellen und sich dadurch von anderen Bewerber*innen abzugrenzen. Natürlich sollte man dem Gegenüber mit dem nötigen Respekt begegnen, aber auch klar kommunizieren, warum man sich gerade für das Fach Kinder- und Jugendmedizin entschieden hat und warum gerade diese Klinik so interessant ist. Die Mischung macht‘s!

Denn sowohl Kolleg*innen als auch die kleinen Patient*innen und ihre Eltern durchschauen schnell, wer aufrichtig und empathisch ist.

Generell empfiehlt es sich, frühzeitig Interesse zu bekunden.

Das kann in Form eines Jobs als studentische Hilfskraft in der Kinderklinik oder durch eine Promotion in der Kinder- und Jugendmedizin in die Tat umgesetzt werden. Hier kann man frühzeitig Kontakte knüpfen, aber auch seinen fachlichen Horizont erweitern und den potenziellen Arbeitgeber von seiner Qualifikation überzeugen. Einige Universitäten bieten hier auch spezielle interne Programme zur Vorbereitung auf die Promotion an. Also: Informieren lohnt sich!

Dennoch betonte Frau Prof. Krägeloh-Mann, dass beispielsweise die Promotion im Fach Kinder- und Jugendmedizin für sie nicht zwingende Voraussetzung für einen Bewerber/eine Bewerberin sei. Für eine wissenschaftliche Karriere ist es aber sicher sinnvoll, bereits im Studium Qualifikationen im Bereich wissenschaftliches Arbeiten z.B. im Rahmen der Promotion, in welchem Fachgebiet auch immer, erworben zu haben. Wenn die Promotion zu einer guten Publikation mit gut platzierter Autorenschaft geführt hat, ist das ebenfalls hilfreich.

Einige Fragen drehten sich auch um die Wahl der „richtigen“ Klinik für die Weiterbildung Kinder- und Jugendmedizin.

Kleines Haus oder Uniklinik, wie findet man den passenden Arbeitsplatz?

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Die gute Nachricht: es gibt keine Einbahnstraße in der Facharztweiterbildung. Wenn man aber eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, kann es sich lohnen, neben Famulaturen und PJ, einen Nebenjob oder auch eine Tätigkeit in einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe bereits in der zukünftigen Klinik, dann entsprechend Uniklinik, zu suchen. Auch eine Hospitation oder das persönliche Gespräch mit einem Assistentensprecher/einer Assistentensprecherin kann zur Entscheidungsfindung beitragen. Hier kann man sich auch ruhig trauen „unter vier Augen“ nochmal Fragen zu stellen, die man einem zukünftigen Chef/einer Chefin nicht stellen würde.

Fragen der Studierenden bezüglich eines Forschungsaufenthaltes und den Möglichkeiten zur Umsetzbarkeit von Weiterbildung und wissenschaftlicher Tätigkeit, konnte Frau Prof. Krägeloh-Mann durch hilfreiche Tipps beantworten, beispielsweise mit den Fördermöglichkeiten der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) für ein Stipendium im Anschluss an das Medizinstudium.

...und die Familie?

Großes Interesse war auch bei dem heiß diskutierten Thema von Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erkennen. Dass zum Glück mittlerweile ein Umdenken bei vielen Arbeitgeber*innen stattgefunden hat, konnte Frau Prof. Krägeloh-Mann glaubhaft versichern. Da gibt es ja auch schon einige Best-Practice-Modelle. Dass Karriere und Familie dennoch gut geplant sein sollten (so weit das eben in der Realität möglich ist), steht dennoch außer Frage. So empfiehlt es sich beispielsweise das „Nadelöhr“ Intensivstation idealerweise vor der Familienplanung abzuschließen oder einen Teil der Facharztweiterbildung im ambulanten Bereich zu absolvieren, was oftmals familienfreundlichere Arbeitszeiten bieten kann.

Aber auch hier empfiehlt es sich offen und ehrlich frühzeitig mit dem Chef/der Chefin zu kommunizieren, wie beispielsweise die Beschäftigung von Schwangeren klinikspezifisch gehandhabt wird und welche Teilzeitmodelle existieren. Es gilt ganz klar die Devise: gut ausgebildete Kinder- und Jugendärzt*innen gibt es nicht wie Sand am Meer und deshalb dürfen und sollen die Bedürfnisse der jungen Generation auch ernst genommen werden. Dann klappt es auch mit der Work-Smile-Balance!

Wir von der Jungen DGKJ sind total begeistert, wie groß die Begeisterung für unser Fach ist und freuen uns auf weiteren Austausch!

Clara Boxler, Franziska Krampe, Irmina Zużewicz und Iris Eckhardt

 


Auftaktveranstaltung "Überleben im Stationsalltag" am 30.06.2021

Den erfolgreichen Auftakt für das neue Online Format "Die Junge DGKJ im Gespräch" machte am 30. Juni 2021 ein Abend zum „Überleben im Stationsalltag".

Wir wollten herausfinden: Was brauchen wir für eine qualitativ hochwertige und gleichzeitig patienten- und ressourcenorientierte ärztliche Tätigkeit? Gesprächspartner war PD Dr. Burkhard Rodeck, Generalsekretär der DGKJ und ehemaliger Klinikchef. Herzlichen Dank an dieser Stelle! Durch regen Austausch mit teilnehmenden Assistenz- und Fachärzt*innen identifizierten wir gemeinsam die typischen "Zeitkiller" im Klinikalltag wie doppelte Dokumentation, nicht-ärztliche Tätigkeiten und schlichtweg immer wieder die mangelnde Finanzierung. Diese halten uns im Stationsalltag leider von den wirklich wichtigen Dingen ab: Zeit für unsere Patienten und Patientinnen sowie fixe Diagnostik und rasche Umsetzung entsprechender Therapien. Es entstand ein Statement was ihr euch hier genauer anschauen könnt.

Fest steht für uns: Unsere Arbeit ist Teil unseres Lebens.

Nur wenn es nicht mehr ums „Überleben“ geht, sondern Work-Life-Balance eine Ergänzung und keinen Gegensatz darstellt, dann werden wir glücklicher und erfüllter unsere ärztlichen Aufgaben bewältigen können. Und dafür setzen wir uns auch in Zukunft von der Jungen DGKJ ein!

DGKJ-Generalsekretär Priv.-Doz. Dr. Burkhard RodeckBild: DGKJ
DGKJ-Generalsekretär Priv.-Doz. Dr. Burkhard Rodeck