FAQs: Maske, Kinder und Coronavirus



FAQs: Maske, Kinder und Coronavirus

Das Tragen einer Maske wird empfohlen, wenn mehrere Menschen im öffentlichen Raum für längere Zeit zusammentreffen oder die Abstandsregeln nicht zuverlässig eingehalten werden können. Im aktuellen Infektionsgeschehen besteht daher an vielen Schulen eine Maskenpflicht. Viele Eltern sorgen sich um die Verträglichkeit für ihre Kinder. Wir haben Ihnen hier gemeinsam mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Antworten auf Fragen zusammengestellt, die uns zu diesem Thema erreicht haben.

Vermindert das Tragen von Masken die Infektionsausbreitung von Covid19?

Es gibt zahlreiche Studien zu dem Thema. In großen Meta-Analysen (zusammenfassende Übersicht und Interpretation von vielen Einzelstudien) und Übersichtsarbeiten zeigt sich, dass das Tragen von Masken die Ausbreitung von respiratorischen Infekten (Infektion der Atemwege) inkl. Covid19 zwar nicht absolut verhindern, aber minimieren kann. Masken nutzen in der Infektionsabwehr nur dann, wenn sie korrekt getragen und gehandhabt werden. Sie sind nur ein Teil der sg. AHA-L-Regeln zur Eindämmung der COVID19 Pandemie.

Welche Masken sind für Kinder geeignet?

Masken werden in unterschiedlichen Gruppen eingeteilt:

  1. Mund-Nasen-Bedeckung = MNB (Alltagsmasken, Community-Masken)
  2. Medizinische Gesichtsmasken / Mund-Nasen-Schutz = MNS (OP-Maske)
  3. Partikelfiltrierende Halbmasken (FFP2/FFP3-Masken)

Die DGKJ empfiehlt im Kindesalter ausdrücklich das Tragen der Maskentypen Typ 1 und 2 (MNB / MNS). MNS-Masken sind Einmal-Artikel. FFP-Masken sollten dem medizinischen Personal vorbehalten bleiben. MNB sind keine Medizinprodukte, nicht standardisiert, eine generelle Aussage über ihre Wirksamkeit ist kaum möglich. Einzelne Studien belegen aber auch Wirksamkeit.

Wenn man Masken selber nähen möchte: Auf was sollte man bei der Auswahl der Kinder-Masken achten, gibt es Stoffe, die besser geeignet sind als andere?

„Do it yourself“-Alltagsmasken sollten aus Baumwollstoffen, am besten 2-lagig, genäht werden. Bei der Größe der Maske müssen die altersabhängigen unterschiedlichen Proportionen berücksichtigt werden, damit die Maske korrekt getragen werden kann. Selbstgenähte Masken müssen regelmäßig gewechselt werden, spätestens bei Durchnässung. Sie sollten bei mindestens 60 Grad gewaschen werden und sind dann wiederverwendbar.

Viele Eltern sorgen sich, dass ihr Kind während des Maskentragens nicht ausreichend Sauerstoff erhält. Beeinträchtigen die gängigen Masken die Versorgung?

Zur Beantwortung dieser Frage einige grundsätzliche Anmerkungen zu den normalen physiologischen Vorgängen bei der Atmung:

Die Atmung dient zum einen der Sauerstoffaufnahme, zum anderen der Abatmung des Stoffwechselproduktes Kohlendioxid (CO2). Der stärkste Atemantrieb ist ein Anstieg des CO2 im Blut, danach folgt die Abnahme von Sauerstoff im Blut, dann eine Übersäuerung des Blutes, die in Folge eines Sauerstoffmangels entsteht. Der Atemantrieb führt zu einer Erhöhung der Atemfrequenz und einer Vertiefung der Atmung (Vergrößerung des Atemzugvolumens). Das sogenannte Atemminutenvolumen steigt. Bei körperlicher Aktivität kommt es durch den angeregten Stoffwechsel zu einem vermehrten Anfall von CO2 im Blut, dass durch verstärkte Atemtätigkeit wieder abgeatmet wird. Jeder Sportler kennt das, jeder, der körperlich anstrengende Tätigkeit ausübt, kennt das. Der Körper braucht eine leichte Erhöhung der CO2-Konzentration im Blut, das triggert vermehrte Atemarbeit und hält dadurch die CO2-Konzentration im Blut in einem Normbereich stabil. Auch die Sauerstoffsättigung im Blut bleibt in einem Normbereich stabil.

Das gilt für alle Altersgruppen.

Was ist der sog. „Totraum“?

Die Atemwege bestehen aus den Anteilen der Lunge, die direkt am Gasaustausch teilnehmen, den s.g. Lungenbläschen oder Alveolen. Die größeren luftführenden Anteile der Lunge und der Atemwege (Bronchien, Luftröhre, Mund/Nasen/Rachenbereich) nehmen nicht am Gasaustausch teil, sie werden als „Totraum“ bezeichnet.

MNB/MNS sind nicht gasdicht, sie haben seitlich keine Abdichtungsvorrichtungen, so dass eine Rückatmung des in die Maske abgegebenen CO2 in geringerem Umfang stattfindet. Die Rückatmung kann zu einer minimalen Erhöhung der CO2-Konzentration führen, die aber - wie oben ausgeführt - über eine vermehrte Atemtätigkeit problemlos kompensiert wird.

FFP-Masken im medizinischen Bereich sind abdichtend, bei richtiger Tragweise wird der Totraum vergrößert. Auch das können Kinder kompensieren.

Je dichter eine Maske ist, desto mehr steigt der Atemwegswiderstand. Auch das wird durch vermehrte Atemarbeit ausgeglichen, kann aber als unangenehm empfunden werden und insbesondere bei langem Tragen ohne Pausen zu Symptomen wie z.B. Kopfschmerzen führen.

Gibt es Studien zur Wirkung des Maskentragens auf Kinder?

Untersuchungen zum Tragen von MNB- oder MNS-Masken spezifisch im Kindesalter liegen bezgl. einzelner Fragestellungen vor. Eine Untersuchung der CO2-Konzentration des Blutes bei kindlichen Maskenträgern im Ruhezustand würde aus den o.g. Gründen keine signifikante Veränderung zeigen, da selbst unter der Annahme einer leichten CO2-Rückatmung die Kinder das mit gering vermehrten Atemarbeit kompensieren würden.

Reagieren Kinder anders auf Maskentragen als Erwachsene?

Der kindliche Organismus ist autonom und lebenskompetent. Kinder haben keinen vermehrten Sauerstoffbedarf im Vergleich zu Erwachsenen, sie atmen unter normaler Raumluft genauso komfortabel wie Erwachsene. Das Atemzugvolumen ist bei Kindern und Erwachsenen auf das Körpergewicht bezogen identisch (6-8 ml / kg Körpergewicht). Eine Sauerstoffuntersättigung des Blutes tolerieren Kinder nicht so lang wie Erwachsene. Es gibt allerdings aus den o.g. Gründen keine theoretische Begründung einer Gefahr einer Sauerstoffuntersättigung unter Maskenatmung, aus den vorliegenden Studien im Erwachsenenalter (inkl. auch älterer Menschen) wissen wir, dass vor, unter und nach dem Tragen einer Maske kein Absinken der Sauerstoffsättigung des Blutes unter den Normbereich bzw. CO2-Anstieg oberhalb des Normbereiches zu beobachten ist. Es gibt keinen Grund, bei Kindern anderes anzunehmen.

Wie sieht es aus mit den ganz jungen Kindern, sollten/könnten auch sie Maske tragen?

Im Säuglingsalter dürfen keine Masken getragen werden! Theoretisch erhöht das Maskentagen das Risiko des plötzlichen Kindstodes (SIDS, sudden infant death syndrome). Im Kleinkindalter raten wir vom Maskentragen ab, die Kinder können damit nicht sinnvoll umgehen. Auch im Grundschulalter sollte es keinen Maskenzwang geben.

Was ist, wenn mein Kind sich weigert, die Maske zu tragen oder klagt, dass es wegen der Maske Kopfschmerzen und andere Beschwerden hat?

Masken sind keine Komfortartikel. Am besten wäre es natürlich, wenn sie nicht getragen werden müßten. Die Akzeptanz ist unabhängig vom Alter sehr unterschiedlich. Dabei spielt eine große Rolle, ob man vorab bereits eine mentale Akzeptanz mitbringt, die es ermöglicht, das Tragen als normale Alltagssituation zu bewerten. Das ist besonders im Kindesalter wichtig. Im Klartext heißt das, je normaler ich als Elternteil das Maskentragen vormache, um so eher wird mein Kind die Maske auch tolerieren. Je mehr ich selbst das Tragen in Zweifel ziehe, um so eher wird das Kind die Maske als Belastung sehen und Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme haben. Wir sollten unseren Kindern die Maske nicht als Problem oder gar Bedrohung darstellen - sie ist unser Freund in der Abwehr der Pandemie.

Ein Schultag ist lang – brauchen Kinder nicht auch Pausen von der Maske? Im Arbeitsschutz der Erwachsenen spielt das ja auch eine Rolle.

Das hängt von der individuellen Akzeptanz des Trägers ab. Nach ca. 45 min empfehlen wir eine Maskenpause unter Beachtung der sonstigen Hygieneregeln. In der Grunschule unterstützen wir eine individuelle Vorgehensweise mit Zulassung von „Maskenpausen“

Ist Sportunterricht mit Maske ein Problem?

Bei körperlicher Anstrengung z. B. im Sportunterricht sollte keine Maske getragen werden.

In den Social Media tauchen immer wieder Geschichten von Todesfällen wegen Maskentragens auf. Was ist da dran?

Die gängigen Alltagsmasken (Community-Maske, do it yourself -Maske) sind gasdurchlässig, es gibt also keinen Sauerstoffmangel oder nennenswerte CO2-Retention bei gesunden Kindern und Jugendlichen bei auch längerem Tragen dieser Masken. Der Atemwegswiderstand ist erhöht, je dichter die Maske ist, was gesunde Kinder und Jugendliche unter ruhender Tätigkeit problemlos kompensieren können.

Die in sozialen Netzwerken verbreiteten Meldungen, Kinder würden durch das Tragen der Masken Pilzerkrankungen der Lunge oder eine Borkenflechte (Impetigo contagiosa) entwickeln oder wegen des Maskentragens sogar versterben, halten keinem Faktencheck stand, es sind Fake-News.

Liste wissenschaftlich fundierter Stellungnahmen zum Thema